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MARKTPERSPEKTIVEN
35 min

Wichtige Themen zur Jahresmitte 2026

Unser Insights-Team blickt auf das bisherige Jahr zurück und hebt wichtige Themen sowie Wachstumschancen hervor, die Anleger im weiteren Verlauf des Jahres 2026 im Auge behalten sollten.

VOM: Market Insights Team

 

Im Überblick

Mehrere Themen dürften Wirtschaft und Märkte in der zweiten Jahreshälfte 2026 bestimmen, von KI über Angebotsengpässe bis zur Dollarschwäche. Immer mehr spricht daher für Diversifikation. Bei amerikanischen Large Caps dominierte zuletzt eine Handvoll hochkapitalisierte Technologiewerte, jetzt könnte die Marktbreite zunehmen – die Gewinnaussichten außerhalb der USA verbessern sich, Small und Mid Caps legten stark zu. Nicht amerikanische Aktien sind attraktiv bewertet, zumal für sie oft andere Faktoren wichtig sind als für US-Titel. Internationale Qualitäts-Credits, Emerging-Market-Staatsanleihen und alternative Anlagen können Portfolios stabilisieren. Die neue Sicherheitslage hat Auswirkungen weit über die Rüstungsindustrie hinaus. Weltweit steigen die Verteidigungsausgaben, alle NATO-Länder erfüllen jetzt das 2%-Ziel. Sicherheitsrelevant sind nach neuerer Definition auch Energie, kritische Mineralien und stabile Lieferketten. Die dafür nötigen Staatsausgaben sind meist schuldenfinanziert. Sie stützen das Wachstum, treiben aber auch die Inflation etwas an.

KI bleibt für alle Märkte wichtig, aber man muss wählerisch sein. Der disruptive Wandel führt überall zu einer Neuverteilung der Gewinne. Wer über eigene Daten verfügt und geschäftskritische Software anbietet, kann profitieren. Wer standardi-sierbare Produkte mit geringen Margen im Pro-gramm hat, könnte aber unter Druck geraten. Anleger müssen diszipliniert sein; wegen der KI-Begeisterung sind offensichtliche Profiteure bisweilen zu hoch bewertet und manche Chance könnte übersehen werden. KI-Investitionen beschränken sich zunehmend nicht mehr nur auf Hyperscaler. Halbleiterhersteller, Energie-versorger, Stromnetzbetreiber und bestimmte Industrieunternehmen profitieren ebenfalls. Bei Anleihen kommt es hingegen angesichts der zunehmenden Emissionen mehr und mehr auf Finanzierungsstrukturen und Verschuldungs-grade an.

Dabei macht es die Angebotsseite den Anlegern nicht leichter. Arbeitskräftemangel, Energie- knappheit und unzureichende Infrastruktur-investitionen machen die Produktion noch teurer; es drohen Inflation und sinkende Margen. Der zunehmende Abstand zwischen Unternehmen mit Preismacht und Anbietern von Standardprodukten macht die Einzelwertauswahl immer wichtiger. Mit einem GARP-Ansatz (Growth at a Reasonable Price) kann man diszipliniert auf wechselnde Marktführerschaft reagieren. Man investiert in anpassungsfähige, günstig bewertete Qualitätsunternehmen mit stabiler Nachfrage. Unterdessen lässt die Dollar-Dominanz etwas nach. Zweifel an der Ausnahmestellung der USA machen andere Anlagen attraktiver, etwa Gold, Emerging-Market-Währungen oder Lokalwährungsanleihen. Schließlich wird auch Private Credit erstmals ernsthaft auf die Probe gestellt: Die Spreads von Business Development Companies haben sich ausgeweitet, es gibt mehr zweifelhafte Forderungen und die Liquiditätsprämie ist zurückgegangen. Die systemischen Risiken halten sich zwar noch in Grenzen, aber Anleihen werden als Portfolio-stabilisator wieder interessanter.


Diversifikation: Stabilisator und Chance

Diversifikation wird immer wichtiger – wegen der hohen Marktkonzentration, der KI-Begeisterung und neuer gesamtwirtschaftlicher Risiken. In den letzten Jahren haben einige wenige Mega Caps aus dem Technologiesektor die Erträge amerikanischer Large Caps bestimmt. Einzelne Branchen und einige wenige Einzelwerte hatten daher immer größere Anteile an kapitalisierungsgewichteten Portfolios. Da im nächsten Jahr mehrere große Börsengänge erwartet werden, könnte die Konzentration weiter zunehmen. Mit Diversifikation nach Assetklassen und Regionen kann man die Risiken mindern – indem man mehr in Sektoren, Länder und Ertragsfaktoren investiert, die sich in unterschiedlichen Marktphasen verschieden entwickeln.

Die zunehmende Marktbreite spricht für internationale Anlagen. In den frühen 2020ern steigerten vor allem die „Magnificent Seven“ ihre Gewinne. Jetzt rechnet man aber damit, dass die anderen S&P-500-Werte aufholen. Amerikanische Small und Mid Caps haben seit Jahresbeginn kräftig zugelegt, weil Anleger aus den Mega Caps umschich-ten. Der Bewertungsrückstand der übrigen Aktien nimmt ab; ihre Gewinnaussichten verbessern sich. US-Unternehmen übertreffen zwar immer noch die Gewinnerwartungen, aber die Wachstumsaussichten in anderen Ländern haben sich deutlich verbessert – vor allem in Europa und den Emerging Markets. Europa und Japan dürften von weiteren Struktur- und Unternehmensreformen profitieren. Die Emerging Markets wiederum machen große Fortschritte bei KI, in der Industrie und bei erneuerbaren Energien.

Anleger achten wegen der immer unsichereren Welt-lage mehr auf das Risikomanagement. US-Aktien profi-tieren weiter von KI-Investitionen und hoher Rentabilität. Hohe Bewertungen und Marktkonzentration bleiben aber Risikofaktoren. Nicht amerikanische Aktien sind hingegen recht attraktiv bewertet, was eine Diversifikation nach Konjunkturphasen, Geld- und Fiskalpolitik sowie Währungen ermöglicht. Die steigenden Gewinne von immer mehr Unternehmen sprechen für eine stabilere Weltwirtschaft, wovon auch der Anleihenmarkt profitiert – vor allem internationale Credits und Emerging-Market-Staatsanleihen. Die Weltlage ist zwar unsicher, aber die guten Fundamentaldaten der Unternehmen und steigende freie Cashflows helfen Investmentgrade-Anleihen mit höherem Rating. Die Renditen sind seit den Höchstständen 2022 zwar zurückgegangen, aber immer noch attraktiv. Außerdem könnten nicht amerikanische Titel weiter von einer anhaltenden Dollarabwertung profitieren. Alles in allem ist Diversifikation nach Assetklassen, Sektoren und Regionen im derzeitigen komplexen Umfeld besonders wichtig. So lassen sich die risikoadjustierten Langfristerträge steigern.

    FAZIT

  • Investieren Sie in den USA nicht nur in Mega Caps, sondern auch in Small und Mid Caps sowie Substanzwerte.
  • Investieren Sie auch in andere Industrie-länder, vor allem Europa und Japan, und die Emerging Markets. Interessant scheinen innovative Unternehmen, die von der Neu-ausrichtung der Lieferketten profitieren, vor allem aus Taiwan und Südkorea.
  • Machen Sie Ihr Portfolio stabiler und steigern Sie die risikoadjustierten Erträge durch internationale Qualitätsanleihen sowie alternative Investments wie Roh-stoffe und REITs.

 


Der Sicherheits-schirm

Die Verteidigungsausgaben steigen nicht mehr langsam, sondern rasant. Erstmals seit Jahrzehnten haben 2025 alle NATO-Länder das 2%-Ziel erfüllt. Nicht zuletzt wegen des Ukrainekriegs steigen die europäischen Verteidigungsausgaben kräftig. Real legten sie 2024 und 2025 um jeweils knapp 20% zu. Außerhalb Europas ist es ähnlich: Japan hat seine Verteidigungsausgaben trotz seiner pazifistischen Verfassung in den letzten zwei Jahren um jeweils 10% angehoben. Als wichtigstes NATO-Land und Großexporteur moderner Waffensysteme bleiben die USA noch immer entscheidend für die weltweite Sicherheitsarchitektur.

Verteidigungsausgaben folgen in der Regel Zyklen – und jetzt beginnt ein neuer Anstieg. Nach einer recht friedlichen Zeit Ende des Kalten Krieges legen die Verteidigungsausgaben jetzt wieder zu. Das wird aber nur selten allein durch Wirtschaftswachstum finanziert. Meist steigen Haushaltsdefizite und Staatsschulden, und der Sozialhaushalt gerät unter Druck.

Die konjunkturellen Auswirkungen sind meist unein-heitlich. Höhere Verteidigungsausgaben können die Konjunktur stützen, heizen aber meist auch die Inflation etwas an. Die derzeitige Weltlage verstärkt das. Die USA sind von den weltweiten Energieschocks eher wenig betroffen, sind sie doch ein Nettoexporteur von Öl und Gas. Europa trifft es als Importeur härter.

Sicherheit ist heute kein rein militärisches Thema mehr. Der Zugang zu wichtigen Rohstoffen, vor allem zu Seltenen Erden für Verteidigung, KI und moderne Technologien, ist heute strategisch wichtig. Die chinesischen Exportbeschränkungen haben das 2025 deutlich gezeigt. Viele Länder bemühten sich seitdem um alternative Bezugsquellen. Auch die Lieferketten selbst sind jetzt geopolitisch wichtig. Länder ohne eigene Vorkommen müssen Rohstoffe extern einkaufen, oft zu höheren Preisen.

Der Sicherheitsschirm wird größer – und deckt jetzt auch Energie, Rohstoffe und Lieferketten ab. Das erfordert dauerhaft hohe Ausgaben. Regierungen müssen daher schwierige Haushaltsentscheidungen treffen. Weltpolitik und Haushaltspolitik sind immer stärker verflochten, und die Anleihenmärkte reagieren.

    FAZIT

  • Schuldenfinanzierte Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben dürften weltweit das Wachstum fördern, mittelfristig aber auch die Inflation etwas steigen lassen.
  • Höhere Defizite und Inflation dürften welt-weit höhere Renditen zur Folge haben, höher als im letzten Konjunkturzyklus.
  • Chancen könnten Sektoren mit bislang zu wenig Investitionen bieten, die als strategisch wichtig gelten. Allerdings könnte der Konsum leiden, wenn ein- schlägige Projekte eher durch Haushalts-umschichtungen als durch eine höhere Kreditaufnahme finanziert werden.

 


Disruption durch KI: Was tun?

KI verändert in vielen Branchen den Wettbewerb, mit großen Chancen und Risiken für Anleger. Veränderungen erfordern konsequente Analysen, um zwischen langfristigen Gewinnern und gefährdeten etablierten Unternehmen zu unterscheiden. Die Frage ist nicht nur, wer KI nutzt, sondern vor allem, wer dank KI mehr verdienen kann. Mögliche Gewinner sind Firmen mit eigenen Daten, Anbieter geschäftskritischer Software sowie Unternehmen mit engen Kundenbeziehungen oder Preismacht. Wer KI erfolgreich in seine Produkte integriert, kann Produktivität und Kundenbindung stärken. Mögliche Verlierer sind Firmen, die von Automatisierung betroffen sind oder Standardprodukte anbieten. Ihre Margen könnten fallen, und am Ende könnten sie irrelevant werden. Anleger sollten prüfen, wie KI Umsatzwachstum, Kostenstruktur, Markteintrittsschranken, Kapitalintensität und langfristige Kapitalrenditen verändert.

KI verbilligt Prognosen, Automatisierung und die Er-stellung von Inhalten. Der Markt dürfte Unternehmen mit exklusiven, hochwertigen Datensätzen, selbstentwickelten Prozessen oder wichtiger KI-Infrastruktur bevorzugen. Umfangreiche Datenbanken könnten strategisch immer wichtiger werden – um KI-Modelle zu verbessern, die Kunden besser zu verstehen oder Wettbewerbsvorteile zu verstärken. Wenn Algorithmen immer leichter verfügbar werden, spielen differenzierte Daten, Vertriebsnetze, Vertrauen und Expertenwissen vielleicht eine größere Rolle als die Technologie selbst.

Ebenso wichtig ist Bewertungsdisziplin. Die Begeisterung für KI kann zu einer Überbewertung offensichtlicher KI-Gewinner führen. Zugleich könnten manche KI-Chancen übersehen werden, und bisweilen fürchtet man vielleicht auch die Disruption zu sehr. Wenn der Markt Zeitpunkt, Ausmaß und Verteilung der KI-Gewinne falsch einschätzt, sind interessante Anlage-chancen möglich. Andererseits sind hohe Erwartungen nicht ohne Risiko, wenn die Bewertungen eine problemlose Umsetzung und schnelle Gewinne abbilden.

Die KI-Disruption ist Chance und Risiko zugleich. Eine strengere Aufsicht sowie Bedenken wegen Datenschutz, geistigen Eigentumsrechten, Cybersicherheit, der Verlässlichkeit von Modellen und der Implementierungs-kosten könnten den Einsatz und die Rentabilität von KI bremsen. Andererseits kann KI Märkte wachsen lassen, Produktivität und Entscheidungsprozesse verbessern sowie neue Geschäftsmodelle hervorbringen. Anleger sollten sich nicht auf thematische Spekulationen einlassen, sondern mit Fundamentalanalysen untersuchen, wo KI Wettbewerbsvorteile stärkt oder schwächt und wo die Bewertungen noch eine Sicherheitsmarge bieten. Man sollte nicht generell in KI investieren, sondern darauf achten, wie die KI-Disruption Wertschöpfung neu verteilt.

    FAZIT

  • Achten Sie darauf, wo KI Wettbewerbs-vorteile stärkt, und meiden Sie Unternehmen, deren Angebot leicht austauschbar ist oder die Kostensenkungen weitergeben müssen.
  • Setzen Sie auf Firmen, die strukturell profi-tieren, etwa Plattformen mit umfangreichem Datenbestand, Elektrizitätsversorger und Infrastrukturanbieter.
  • Achten Sie auf fehlbewertete Titel mit unterschätztem KI-Potenzial oder über-schätztem Disruptionsrisiko.

 


KI-Investitionen verändern die Märkte

Der KI-Ausbau sorgt für eine der größten Investitions- wellen in der neueren US-Geschichte, mit Auswirkungen weit über den Technologiesektor hinaus. Hyperscaler, Halbleiterhersteller, Versorger, Industrieunternehmen und Infrastrukturanbieter investieren, um die KI-Nutzung aus-zubauen. Die Chancen wachsen. Wachstumspotenzial sehen wir nach wie vor in den Bereichen Rechenleistung, Konnektivität, Strom, Kühlung und Rechenzentren. Her-steller von Halbleitern und Halbleitertechnik profitieren am meisten. Mit wachsenden KI-Kapazitäten sehen wir aber auch Chancen in den Bereichen Elektrotechnik, Stromversorgung, Netzmodernisierung sowie bei aus-gewählten Industrieunternehmen.

Die Hyperscaler dürften weiter viel investieren, weil sie strategisch wichtig sind und das nötige Kapital für Neuinvestitionen haben. Die Cashflows der Hyperscaler sind hoch, ihre Cloudplattformen dominieren den Markt, und sie pflegen enge Kundenbeziehungen. Außerdem haben sie Größenvorteile bei Beschaffung, Infrastruktur-nutzung, Datenzugang und Modellen. KI ist kapitalintensiv, aber nur wenige andere Unternehmen können Investitionen über den Konjunkturzyklus so gut finanzieren. Wenn KI die Nachfrage nach Clouddienstleistungen, Software und Plattformen steigen lässt, könnten die Investitionen von heute zu dauerhaftem Wachstum führen.

Die Finanzierung des KI-Ausbaus ist aber ebenso wichtig. Der Investitionsbedarf ist enorm, und nicht alle Unternehmen sind so flexibel wie die großen Platt-formanbieter. Entwickler von Rechenzentren, Versorger, Telekommunikationsanbieter und andere Kreditnehmer aus dem Infrastrukturbereich brauchen möglicherweise mehr Fremdkapital, Projektmittel, Private Capital oder auch Eigenkapital. Das könnte zu einer stärkeren Streuung zwischen den Unternehmen führen. Manche können ihr Wachstum selbst finanzieren, andere müssen sich höher verschulden und mit steigenden Finanzierungskosten oder größeren Umsetzungsrisiken leben.

Am Anleihenmarkt geht es bei KI vor allem um Finanzierungs-fragen und Markttechnik, weniger um Wachstum. Mehr Emissionen von Infrastrukturanbietern könnten zu Spread-ausweitungen führen, wenn das Anleihenangebot über der Nachfrage liegt, vor allem bei steigenden Verschuldungsgraden. Bis jetzt waren Festzinstitel mit KI-Bezug ausreichend nachgefragt, sodass der Markt nicht aus dem Gleichgewicht geriet und die Bewertungen nicht fielen. Man muss aber wählerisch sein. Anleger müssen darauf achten, ob Emittenten den Infrastruktur-ausbau mit ausreichenden Cashflows finanzieren oder eher auf spekulatives Wachstum setzen. KI-Investitionen sind gut für Aktien. Bei Credits ist das Bild hingegen differenzierter. Finanzierungsstrukturen, Finanzkraft und Markttechnik dürften die Performance bestimmen.

    FAZIT

  • Investieren Sie nicht nur in Aktien von Hyperscalern und Anbietern großer Modelle. Auch Grundstoff-, Versorger- und Industriewerte dürften vom Ausbau der KI-Datenzentren profitieren.
  • Für den Anleihenmarkt ist wichtig, dass immer mehr KI-Investitionen fremd-finanziert werden. Die Spreads könnten sich daher etwas ausweiten.
  • Kurzfristig dürften die Investitionen das Wirtschaftswachstum kräftig antreiben. Längerfristig könnte man aber Überkapazi-täten befürchten.

 


Wenn Angebot auf Knappheit trifft: Droht eine Kostenkrise?

Im aktuellen Marktumfeld werden Angebotsengpässe wieder zum Thema. Seit dem Ende der internationalen Finanzkrise waren stabile Kosten und steigende Margen die Regel. Das könnte sich jetzt ändern. Rob Almeida, Global Investment Strategist von MFS, weist darauf hin, dass Gewinn die Differenz zwischen Umsatz und Kosten ist – und dass die Kostenentwicklung unsicherer ist denn je.

Der Arbeitskräftemangel wird zum Risiko. Jahrelang wurde zu wenig in Produktionskapazitäten investiert. Außerdem wächst die Arbeitskräftenachfrage in den Bereichen Infrastruktur und Technologie. Arbeitskräfte werden daher knapper. Dadurch steigen die Löhne und damit auch die Kosten. Das gilt vor allem für Sektoren, die Spezialisten benötigen.

Zugleich lassen Energieknappheit und Infrastruktur-engpässe die Produktionskosten steigen. Die wieder zunehmende Kapitalintensität durch Investitionen in Stromerzeugung, Netze und Produktionskapazitäten lässt die Faktorkosten der Unternehmen steigen, ob für Energie, Grundstoffe oder für Logistik. Das ist keineswegs nur vorübergehend. In den letzten Jahren wurde zu wenig investiert, was jetzt nachgeholt werden muss.

All das kann die Inflation antreiben. Selbst wenn die Nachfrage nachlässt, könnte die Teuerung aufgrund von Angebotsengpässen hoch bleiben. Das kann den Unternehmen zwar kurzfristig mehr Preismacht geben, führt aber oft zu dauerhaft höheren Kosten und niedrigeren Margen.

Die Unternehmensgewinne könnten daher fallen. Weil das Wachstum nachlässt und die Umsätze nicht mehr so stark steigen, lassen sich höhere Fixkosten – Arbeit, Energie und Herstellungskosten – nicht mehr so leicht abfangen. Zugleich könnten negative Angebotsschocks den Umsätzen schaden und die Kosten steigern. Die Margen würden dann sinken, die Gewinne gingen schneller als erwartet zurück.

Die Folgen für Anleger sind uneinheitlich. Unternehmen mit knappen Ressourcen, wichtiger Infrastruktur oder großer Preismacht können ihre Margen besser sichern. Wer hingegen eher Standardprodukte anbietet oder in sehr wettbewerbsintensiven Märkten tätig ist, kann höhere Kosten vielleicht nicht so leicht weitergeben. Der Abstand zwischen Gewinnern und Verlierern dürfte zunehmen, sodass die Einzelwertauswahl wichtiger wird. Bei Angebotsengpässen scheint uns das klüger, als auf den Gesamtmarkt zu setzen.

    FAZIT

  • Setzen Sie auf Unternehmen mit Preis-macht, die von Knappheiten profitieren.
  • Da die Streuung am Markt zunehmen dürfte, scheinen Firmen mit langfristigen Wettbewerbsvorteilen interessant.

 


GARP: Stabiles Wachstum bei einem Markt im Wandel

Growth at a Reasonable Price, kurz GARP, bedeutet, in Wachstumsunternehmen mit stabilen Gewinnen, kluger Investitionspolitik und fairen Bewertungen zu investieren. Man setzt also auf günstig bewertete, langfristig stabile Qualitätstitel. Das ist besonders in Zeiten hoher Markt-konzentration interessant, wenn sich Anleger auf einige wenige Themen konzentrieren und andere Qualitätstitel übersehen.

Der Markt scheint sich zurzeit eher strukturell als konjunkturell zu verändern. Neue Technologien senken Markteintrittsbarrieren, beschleunigen Wettbewerbs-veränderungen und sorgen für eine Neuverteilung der Gewinne. Zugleich verändern KI-Investitionen, höhere Finanzierungskosten und der Wunsch nach stabilen Lieferketten Kapitalströme und Marktführerschaft. Manche Veränderungen sind zyklisch. Viel wichtiger ist aber, wo künftig Geld verdient wird. Der Abstand zwischen lang- fristigen Gewinnern und konjunktursensitiveren Unter-nehmen könnte zunehmen. Ein großes Risiko ist, dass man ein Unternehmen für langfristig wachstumsstark hält, obgleich es nur von der Konjunktur profitiert – und dass man dann zu hoch einsteigt. Die Abbildung zeigt, dass die Bewertungen des 5. Quintils von 84 im Jahr 2021 auf 11 im Jahr 2023 gefallen sind und sich bis heute wieder auf 36 erholt haben. Bei einem derartigen Hin und Her kann das GARP-Konzept mit seinem Schwerpunkt auf stabilen Gewinnen und disziplinierter Bewertung Stetigkeit ermöglichen.

Chancen sehen wir bei Unternehmen mit langfristiger Nachfrage, Preismacht, stabilen Finanzen und einer Geschäftsleitung, die klug auf Veränderungen reagiert. Viele solcher Unternehmen werden vom Markt wenig geschätzt. Langfristig hängen ihre Erträge oft mehr vom Gewinnwachstum als von der Marktstimmung ab. Oft sind diese Unternehmen heute so wichtig wie früher. Sie werden einfach nur weniger wahrgenommen, weil der Markt vor allem eine kleine Handvoll Gewinner im Blick hat. Solche Unternehmen können auch dann Gewinne erzielen, wenn sich die Zeiten ändern. Sie sind weniger konjunkturabhängig.

Bei einem sehr konzentrierten Markt übersieht man oft Unternehmen, die gut mit einer schnelleren Disruption zurechtkommen und vielfältige Ertragsquellen haben. Wenn alte Wettbewerbsvorteile schwinden, kann Anpassungs- fähigkeit genauso wichtig sein wie Größe. Auch mit unter-schätzten Qualitätsunternehmen, die nicht so recht zum dominierenden Marktthema zu passen scheinen, kann man von wichtigen strukturellen Änderungen profitieren. Das ermöglicht eine größere Ertragsvielfalt, sodass man nicht mehr nur von einem einzigen Thema abhängt.

Anleger können mit GARP auf Qualität, Anpassungs-fähigkeit und günstige Bewertungen setzen, wenn sich der Markt ändert. Zyklen sind noch immer wichtig, aber Strukturwandel ist wichtiger: Mit GARP kann man stabilere Portfolios zusammenstellen, wenn sich Marktführerschaft, Wettbewerb und Wachstumsfaktoren ändern. So kann man mit ausgewogeneren Anlagen auf Wachstum setzen und macht sich nicht so stark von den aktuellen Lieblingen abhängig.

    FAZIT

  • Setzen Sie auf Unternehmen mit langfristig stabilen Gewinnen, Preismacht, Finanzkraft und Anpassungsfähigkeit.
  • Setzen Sie nicht nur auf die dominierenden Themen, sondern auch auf unterschätzte Qualitätsfirmen und damit auf Ertrags-vielfalt.

 


Nachlassende Dollardominanz

Die Dollardominanz lässt allmählich nach – langsam und nicht immer stetig, aber merklich. Und doch bleibt der Dollar weiter die wichtigste Weltwährung für den Außenhandel, grenzüberschreitende Finanzierungen und Anleihenemissionen, SWIFT-Zahlungen und den Devisenmarkt. Überall betrug der Dollaranteil in den letzten 15 Jahren fast 50%.1

Aber auch die führende Reservewährung kann abwerten. Eine Währung kann auch dann systemisch wichtig bleiben, wenn Anleger sie wegen ihrer hohen Bewertung weniger schätzen. Dieser Unterschied ist wichtig. Auffällig ist der allmählich abnehmende Dollaranteil an den Weltwährungsreserven. Seit 2015 ist er um etwa acht Prozentpunkte gefallen, während der Anteil von Gold und kleineren Reservewährungen kontinuierlich zugenommen hat.2 Das gilt vor allem für die Emerging Markets, in geringerem Umfang aber auch für die Industrieländer.3

Der Dollar ist vor allem als Anlagewährung gefährdet, nicht als Transaktionswährung. Gerade bei der Wert-aufbewahrungsfunktion ist Glaubwürdigkeit besonders wichtig – und hier haben die USA zurzeit Probleme. Zölle und Sanktionen, eine neue Weltordnung und neuer Nationalismus, höhere Verteidigungsausgaben und Haushaltsprobleme gefährden die Sonderstellung der USA. Internationale Investoren und Notenbanken haben daher allen Grund, aus dem Dollar umzuschichten. Seine traditionelle Rolle als sicherer Hafen gerät in Gefahr.

Das spricht langfristig für eine Abwertung. Der Dollar wird nicht ersetzt – keineswegs. Denn es gibt keine glaub- würdige Alternative. Europa hat noch immer keine Fiskal- union, ohne die der Euro diese Rolle kaum übernehmen kann. Und China muss erst noch seine Kapitalverkehrs-kontrollen abschaffen. Trotz allem kommt es aber zu langsamen Umschichtungen weg vom Dollar.

Das spricht für andere Währungen in einem diversifi-zierten Portfolio. Auch Gold könnte von dieser Diversi-fikation der Währungsreserven profitieren, ebenso wie nicht amerikanische Titel. Wir denken hier vor allem an die Emerging Markets. Wenn der Dollar abwertet, werten die Emerging-Market-Währungen in der Regel auf. Für Lokalwährungsanleihen ist das gut, sodass eine anhaltende Dollarschwäche den Emerging-Market-Erträgen nützen kann. Emerging-Market-Anlagen sollten nicht allein als eine vorübergehende Anlage, sondern als eine strategische Portfolioposition angesehen werden.

    FAZIT

  • Das größte Risiko für den Dollar sind Zweifel an der Sonderstellung der USA, die ihn als Anlagewährung unattraktiver machen.
  • Erwägen Sie die Diversifikation von Dollar-positionen durch einen höheren Anteil von Anlagen, die nicht in US-Dollar denominiert sind.
  • Erwägen Sie strategische Positionen in den Emerging Markets, vor allem in Emerging- Market-Währungen und Lokalwährungs-anleihen. Sie könnten von einem schwächeren Dollar profitieren.

 


Private Credit: Risiken neu bewerten

Private Credit steht nach Jahren ungebrochenen Wachstums vor seiner ersten wirklichen Bewährungs-probe. Es gibt vielfältige Anzeichen für Probleme. Die Spreads von Business Development Companies haben sich ausgeweitet, der Anteil notleidender Kredite ist gestiegen und immer mehr Anleger wollen Anteile zurückgeben. Manche Private-Credit-Manager stoßen Problemkredite über den Sekundärmarkt ab. Hinzu kommen immer neue strukturelle Herausforderungen. KI schadet Kreditnehmern aus dem Softwaresektor, die etwa 21% Anteil am Direkt- kreditmarkt haben, und löst Restrukturierungen aus.4 Die mangelnde Transparenz von Private Capital – unregel-mäßige Preisstellungen, begrenzte Offenlegung und uneinheitliches Reporting – könnte bedeuten, dass die Verschlechterungen der Kreditqualität noch nicht in ihrem ganzen Ausmaß erfasst wurden. Die EZB verwies auf wachsende systemische Risiken und warnte vor einem Übergreifen der Probleme auf europäische Versicherungen.

Dennoch dürften die aktuellen Probleme von Private Credit kaum ein großes gesamtwirtschaftliches Risiko sein. Der Sektor ist mit etwa 10% der Kreditvergabe an Unternehmen außerhalb des Finanzsektors noch immer recht klein, auf High Yield und Leveraged Loans entfallen 21%.5 Bei einem nachlassenden Neugeschäft könnten sich die Credit Spreads zwar etwas ausweiten, doch ist das Risiko einer echten Kreditklemme außerordentlich gering – zumal mehrere Faktoren es weiter mindern. Kurzfristig könnte das bereits zugesagte Kapital die Kreditvergabe stabilisieren, und nach wie vor können die Banken mittelgroßen Unternehmen bei Bedarf zusätzliche Kredite gewähren. Außerdem dürften die Banken über mehr überschüssiges Kapital verfügen, wenn die Basel-III-Regeln endgültig umgesetzt werden. Sie können dann also mehr Kredite vergeben.

Die Neueinschätzung von Private Credit macht Liquidi-tät wieder interessanter. Da die Liquiditätsprämien gefallen sind, gibt es weniger Argumente für illiquidere, aber ertragsstärkere Anlagen. Angesichts der unsicheren Weltlage wird Liquidität immer wichtiger, damit man bei neuen Rahmenbedingungen schnell umschichten kann. Liquidität ist heute essenziell für das Risikomanagement und keineswegs mehr Nebensache. Private Credit ist für diversifizierte Portfolios noch immer wichtig, aber der Anteil sollte wegen der gestiegenen Risiken sorgfältig geprüft werden.

Anleihen werden daher als Portfolioanker wieder attraktiver. Liquide Credits waren trotz der jüngsten Probleme wieder recht stabil, und ihre Renditen sind trotz enger Spreads noch immer attraktiv. Die Mittelzuflüsse bleiben trotz der großen Emissionen der Hyperscaler hoch, die Fundamentaldaten erweisen sich als außerordentlich stabil. Aktives Management ist daher wichtig, um günstig bewertete Titel zu finden und das Portfolio liquide und flexibel zu halten, sodass man es bei veränderten Rahmen-bedingungen schnell anpassen kann.

    FAZIT

  • Verringern Sie gegebenenfalls den Private-Credit-Anteil, da die Illiquiditätsprämien fallen und die Risiken steigen.
  • Bleiben Sie flexibel durch Investitionen in liquide Titel, sodass Sie bei veränderten Bedingungen schnell reagieren können.
  • Setzen Sie eher auf börsennotierte Credits mit guten Fundamentaldaten, attraktiven Renditen und einer höheren Liquidität.

 

 

 

Die hier dargestellten Meinungen sind die der MFS Strategy & Insights Group (SAIG), eines Teils der Vertriebssparte von MFS. Sie können von denen der Portfoliomanager und Analysten von MFS abweichen. Die Einschätzungen können sich jederzeit ändern. Sie dürfen nicht als Anlageberatung, Wertpapierempfehlung oder Hinweis auf beabsichtigte Transaktionen von MFS verstanden werden.

1 Goldman Sachs: „Dollar Dominance and Dollar Depreciation – Moving on Different Tracks”, September 2025.
2 Goldman Sachs: „Dollar Dominance and Dollar Depreciation – Moving on Different Tracks”, September 2025.
3 Deutsche Bank Research: „The Return of History: Gold, the Dollar, and the Monetary Future”, April 2026.
4 Quellen: JP Morgan, North America Economic Research. Abiel Reinhart, Michael Feroli, Nelson Jantzen, Kabir Caprihan: „US: Private Credit isn’t a Public Problem”, 1. Mai 2026.
5 Quellen: JP Morgan, North America Economic Research. Abiel Reinhart, Michael Feroli, Nelson Jantzen, Kabir Caprihan: „US: Private Credit isn’t a Public Problem”, 1. Mai 2026.

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