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29. August bis 4. September 2026
Internationale Aktien legten diese Woche etwas zu. Die Märkte reagierten auf den starken Beschäftigungszuwachs in den USA, die steigenden Ölpreise und die höheren Anleihenrenditen. Die US-Zehnjahresrendite stieg von 4,70% auf 4,77%. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich um 8 US-Dollar auf 90,50 US-Dollar. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) fiel die Volatilität diese Woche von 16,90 auf 16,05.
KONJUNKTUR
Inflationszahlen bestimmen die nächste Zinsentscheidung
Anleger versuchten diese Woche abzuschätzen, ob die Fed am 16. September die Zinsen erhöht. Notenbankvorstand Christopher Waller, weder ein ausgewiesener Falke noch eine Taube, könnte den Ausschlag geben. Er sagte am Donnerstag, dass er bei einem weiteren Inflationsrückgang wohl gegen höhere Zinsen stimmen werde. Die jüngsten Zahlen seien ermutigend, und es käme jetzt auf die Preisentwicklung im August an. Am Markt schätzte man die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung um einen viertel Prozentpunkt daraufhin auf weniger als 50%, nach 63% bei Handelsschluss am Mittwoch. Nach dem guten Beschäftigungsbericht vom Freitag änderte sich das aber wieder. Am Donnerstagmorgen werden die Produzentenpreise, am Freitagmorgen die Verbraucherpreise für August veröffentlicht.
Andere Ausschussmitglieder äußerten sich allerdings anders. Für Notenbankvorstand Michael Barr ist die Inflation noch immer „zu hoch“; ohne einen weiteren Rückgang solle die Fed erhöhen. John Williams, Präsident der New York Fed, nannte die jüngsten Daten hingegen „ermutigend“; die Zinsen seien zurzeit „angemessen“. Noch hätte der Ölpreisanstieg keine Auswirkungen auf den Dienstleistungssektor.
Starker Stellenzuwachs macht Zinserhöhung wahrscheinlicher
In den USA ist die Beschäftigung (ohne Landwirtschaft) im August um 162.000 gestiegen, etwa dreimal so stark wie erwartet. Durch Revisionen der Juni- und Juliwerte kamen noch einmal 55.000 Stellen hinzu, wobei im Juli aus dem zunächst geschätzten Rückgang ein Anstieg wurde. Die Arbeitslosenquote betrug unverändert 4,1%. Jetzt wartet man am Markt gebannt auf die Inflationszahlen der nächsten Woche. Vor dem Arbeitsmarktbericht war oft die Rede davon, dass Zinserhöhungen bei zwei negativen Zahlen in Folge kaum möglich seien. Aber das ist jetzt kein Thema mehr. Bei einer hohen August-Inflation dürfte höheren Leitzinsen nichts mehr im Wege stehen.
USA und Iran liefern sich Schlagabtausch
Der Konflikt zwischen Washington und Teheran eskalierte diese Woche massiv – mit einem amerikanischen Präventivschlag gegen eine iranische Insel in der Straße von Hormus. Er sollte den Iran von der Verlegung neuer Seeminen abhalten. Die iranischen Revolutionsgarden revanchierten sich und griffen ihrerseits US-Militärbasen in Jordanien mit Raketen an. Laut Trump haben die USA acht davon abgefangen. Der Präsident drohte mit weiteren Angriffen, wenn der Iran den Beschuss fortsetze.
Die Kämpfe griffen schnell auf den Schiffsverkehr über. Dem Vernehmen nach wurden in der Straße von Hormus am späten Montag zwei Supertanker getroffen, nachdem sich die beiden Seiten schon den ganzen Tag über Scharmützel geliefert hatten. Die USA reagierten am Dienstag mit Angriffen auf zwei iranische Öltanker und kündigten eine „Tanker um Tanker“-Strategie an. Wegen der Eskalation stieg der Ölpreis in Richtung 90 US-Dollar je Barrel.
Trotz der Feindseligkeiten berichtete CNN, dass die US-Marine 40 Handelsschiffe mit zusammen 18 Millionen Barrel Rohöl an Bord durch die Meerenge eskortiert habe – so viel wie noch nie seit Kriegsbeginn. Zeitgleich beschossen die USA fast 60 militärische Ziele entlang der Wasserstraße, darunter Luftabwehrstellungen, Radarsysteme, Minenleger und Kommunikationseinrichtungen.
US-Finanzminister Scott Bessent sagte, dass die Kombination aus Sanktionen und einer Seeblockade den Iran wirtschaftlich in die Knie zwingen werde. Schon in zwei Jahren würden Pipelines den Seetransport durch die Straße von Hormus ersetzen. Am Donnerstag begrüßte er die Beteiligung der Europäischen Union an der „Operation Economic Outcast“. Südkorea wiederum will sich dem Vernehmen nach am US-Militäreinsatz beteiligen, der die Straße von Hormus offenhalten soll.
Anleihenrenditen weltweit auf Mehrjahreshochs
Weltweit legten die Anleihenrenditen kräftig zu und erreichten dabei Mehrjahreshochs. Die US-Zehnjahresrendite stieg auf 4,85%, den höchsten Wert seit Januar 2025; die britische auf 5,23%, so viel wie zuletzt 2008. Die japanischen Staatsanleihenrenditen erreichten zeitweise 3%, was seit 1996 nicht mehr der Fall war. Ein Bloomberg-Indikator für internationale Anleihenrenditen erreichte mit 3,78% den höchsten Wert seit Mitte 2008.
Auf dem G20-Finanzministertreffen sagte US-Notenbankchef Kevin Warsh, dass die weltweite Sparschwemme, die so lange für niedrigere Renditen gesorgt hatte, vorbei sei. Stattdessen würden jetzt die Investitionen boomen. Analysten der Deutschen Bank sahen im Renditeanstieg eine Fortsetzung der Normalisierung nach der Finanzrepression der 2010er-Jahre – und kein Anzeichen für Sorgen um die Staatsfinanzen.
Auf derselben Konferenz sagte der Gastgeber, US-Finanzminister Scott Bessent, dass sich die Banken durch die amerikanischen Anleihenrückkäufe wieder leichter an Anleihenauktionen beteiligen könnten. Die Regierung wolle das US-Haushaltsdefizit in Prozent des BIP senken.
KURZ GEFASST
Nach den Einkaufsmanagerindizes bleibt das Wirtschaftswachstum weltweit stabil. Vor allem der amerikanische und der japanische Dienstleistungsindex legten kräftig zu.
Land/Region |
Verarbeitendes Gewerbe |
Dienstleistungen |
Composite |
USA (ISM) |
54,6 von 55,6 |
55,4 von 54,1 |
k.A. |
Euroraum |
52,7 von 51,9 |
51,6 von 51,7 |
52,0 (k.Ä.) |
Großbritannien |
51,7 von 51,9 |
52,5 von 52,1 |
52,5 von 52,2 |
Japan |
54,9 von 54,5 |
52,5 von 51,2 |
53,5 von 52,7 |
China |
49,8 von 49,2 |
49,0 (k.Ä.) |
49,5 von 49,3 |
Welt (JPM) |
52,3 von 52,1 |
53,7 von 52,7 |
53,5 von 52,7 |
Ein Papier aus dem Weißen Haus berichtet über eine Vereinbarung, nach der das private Ölunternehmen North American Blue Energy Partners (NABEP) 17 venezolanische Ölfelder mit zusammen etwa 65 Milliarden Barrel Rohölreserven für 100 Jahre pachtet. Die USA beteiligen sich demnach mit 35% an der Muttergesellschaft von NABEP, erhielten 20% der Förderung zum Selbstkostenpreis und hätten für die übrige Förderung ein Vorkaufsrecht. Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez sprach außerdem von einer weiteren Vereinbarung mit 25 Jahren Laufzeit und einer Zielförderung von 1,5 Millionen Barrel täglich.
Nach vorläufigen Zahlen sind die Verbraucherpreise im Euroraum im August um 3,3% z.Vj. gestiegen. Die EZB könnte daher nächste Woche die Zinsen erhöhen.
In den USA gibt es wieder mehr offene Stellen. Der JOLTS Jobs Openings Index stieg von 4,3% auf 4,4%. Die Zahl der Kündigungen durch Mitarbeiter ging von 2,0% auf 1,9% zurück, die der Kündigungen durch Unternehmen von 1,1% auf 1,0%.
Die Bank of Japan signalisierte eine straffere Geldpolitik. Laut Notenbankchef Kazuo Ueda werde sich der Vorstand im September mit Inflationsrisiken befassen und gegebenenfalls in jeder Sitzung die Zinsen anheben. Vorstandsmitglied Hajime Takata schloss sowohl eine größere Erhöhung als auch aufeinanderfolgende kleinere nicht aus.
Die Bank of Canada ließ ihren Leitzins unverändert bei 2,25%. Zinserhöhungen seien aber bei einer zu hohen Inflation denkbar. Wie am Freitag bekannt wurde, ging die Beschäftigung allerdings überraschend um 42.000 zurück. Damit ist der unerwartet starke Anstieg vom Vormonat teilweise ausgeglichen.
US-Präsident Trump unterzeichnete ein Übergangsfinanzierungsgesetz, damit die Bundesbehörden bis zum 11. Dezember im bisherigen Umfang Geld ausgeben können. Ein Government Shutdown zum Ende des Haushaltsjahres (Ende September) wird dadurch vermieden.
Handelsminister Howard Lutnick sagte, dass die Regierung neue Zölle auf Halbleiterimporte erwäge. Unternehmen, die in die amerikanische Industrie investierten, würden aber vermutlich davon befreit.
In einem Referendum sprach sich die isländische Bevölkerung knapp gegen neue EU-Beitrittsverhandlungen aus.
EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen bezeichnete den Zwischenfall mit einer Drohne am Leipziger Flughafen als russischen Angriff.
Nach einem Bericht der Financial Times hat Russland dem Iran heimlich bei der Entwicklung moderner Überschall-Marschflugkörper geholfen. Das wäre einer der größten bekannten Transfers von Militärtechnologie von Moskau nach Teheran überhaupt.
Diese Woche stiegen europäische Erdgas-Futures auf den höchsten Wert seit 2023.
Die niederländische Zentralbank verlegt Goldreserven von Nordamerika nach Europa. Sie begründete das mit der unsicheren Weltlage und der Notwendigkeit, in einer Krise schnell auf das Edelmetall zugreifen zu können.
NÄCHSTE WOCHE
Montag: US-Märkte wegen Labor Day geschlossen
Dienstag: chinesische Verbraucher- und Produzentenpreise, NFIB Small Business Optimism Index in den USA
Mittwoch: Produzentenpreise in den USA
Donnerstag: EZB-Ratssitzung, wöchentliche Arbeitslosengeldanträge in den USA
Freitag: Konsumklimaindex der University of Michigan in den USA, monatliches BIP in Großbritannien
Fokussiert und diversifiziert bleiben
Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.
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Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.
AUTOR
Jamie Coleman
Senior Strategist, Strategy and Insights Group