Trump nominiert Warsh als Notenbankchef
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AUTOR
Jamie Coleman
Senior Strategist, Strategy and Insights Group
24. bis 30. Januar 2026
Internationale Aktien legten diese Woche zu, und am Dienstag stieg der S&P 500 sogar auf ein Rekordhoch. Die US-Zehnjahresrendite blieb mit 4,24% unverändert. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich um 4,50 US-Dollar, da man Angebotsstörungen und einen amerikanischen Militärschlag gegen den Iran fürchtete. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) fiel die Volatilität diese Woche von 18,15 auf 17,25.
KONJUNKTUR
Trump nominiert Kevin Warsh für den Fed-Vorsitz
Am Freitagmorgen nominierte US-Präsident Donald Trump den früheren Fed-Vorstand Kevin Warsh für den Notenbankvorsitz. In seiner Zeit als Vorstandsmitglied von 2006 bis 2011 sah er die zweite Runde des Quantitative Easing als Reaktion auf die internationale Finanzkrise kritisch. Schon 2017 war Warsh in der Endauswahl, doch am Ende entschied sich Trump für Jerome Powell, dessen Amtszeit Mitte Mai endet. Warsh gilt als Pragmatiker. Er glaubt, dass sich die Fed nicht mehr auf ihr Mandat beschränke und ihre Bilanzsumme aufgebläht sei – aber auch, dass Produktivitätsgewinne etwas niedrigere Leitzinsen ermöglichten als früher. Warshs Nominierung könnte die jüngsten Sorgen um die Unabhängigkeit der Fed dämpfen.
Seine Bestätigung im Senat dürfte keine Schwierigkeiten machen. Senator Thom Tillis aus North Carolina, Mitglied des zuständigen Bankenausschusses, der die Nominierung bestätigen muss, nannte Warsh am Freitagmorgen einen „qualifizierten Kandidaten mit großem geldpolitischem Know-how“. Dennoch werde er die Bestätigung so lange hinauszögern, bis das Justizministerium seine Ermittlungen gegen Powell einstelle. Da Warsh durchaus als Falke gilt, wurde die US-Zinsstrukturkurve nach der Nominierung etwas steiler, und der Dollar erholte sich. Amerikanische Aktien-Futures gaben um etwa 0,5% nach.
Optimistische Fed lässt Leitzins unverändert
Am Mittwoch ließ die Fed ihren Leitzins unverändert bei 3,5% bis 3,75%. Nur die Vorstandsmitglieder Stephen Miran und Christopher Waller stimmten für eine Senkung um 25 Basispunkte. Laut Notenbankchef Jerome Powell hat sich der Konjunkturausblick seit der Offenmarktausschusssitzung im Dezember deutlich verbessert. „Die Prognosen sind insgesamt stärker“, so der Vorsitzende. Die Wirtschaft wachse ordentlich, der Arbeitsmarkt sei recht stabil, und die Inflationsrisiken ließen etwas nach. Seinem Nachfolger riet er, sich nicht mit der Politik einzulassen.
Dollardrama
Am Dienstagnachmittag sagte Präsident Trump, dass ihm die jüngste Dollarabwertung keine Sorgen mache – und löste damit eine Verkaufswelle aus. Am Mittwochmorgen hat Finanzminister Scott Bessent die Märkte dann wieder etwas beruhigt. Er sprach sich für eine Politik des starken Dollar aus. „Gute Fundamentaldaten“ würden die Währung stärken. Als Beispiele nannte er das schrumpfende Handelsbilanzdefizit, das hohe Wirtschaftswachstum und die neuen Aktienmarktrekorde.
Shutdown light?
An diesem Wochenende könnten weite Teile der US-Regierung erneut in den Shutdown gehen, weil sich Republikaner und Demokraten über die Finanzierung der Einwanderungsbehörde ICE streiten. Das Budget des Heimatschutzministeriums ist Teil eines größeren Ausgabengesetzes, das auch die Haushalte des Verteidigungs- und Transportministeriums sowie anderer Regierungsbehörden enthält. Präsident Trump und Chuck Schumer, Minderheitsführer im Senat, standen am Freitagmittag zwar kurz vor einer Einigung, aber das Repräsentantenhaus tagt vor dem Wochenende nicht mehr. Daher scheint es nicht möglich, ein Kompromissgesetz zu verabschieden, bevor die bisherige Finanzierung am Samstag um eine Minute nach Mitternacht ausläuft. Ein kurzer Shutdown scheint daher unvermeidbar.
Großbritannien und China stärken Zusammenarbeit
Der britische Premier Keir Starmer besuchte diese Woche Peking, um die britisch-chinesischen Beziehungen nach jahrelangem Streit wegen Chinas Umgang mit der früheren Kronkolonie Hongkong wieder zu kitten. Nach einem Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping sagte Starmer, dass jetzt eine neue Ära mit China begänne. Starmer und Xi planen eine Machbarkeitsstudie zur Öffnung der Märkte für geschäftliche und finanzielle Dienstleistungen. Außerdem unterzeichneten sie Verträge, um Chinas Zoll auf Whisky von 10% auf 5% zu halbieren und britischen Staatsbürgern eine visafreie Einreise zu ermöglichen. Präsident Trump warnte Starmer daraufhin am Donnerstag, dass engere Beziehungen zu China für Großbritannien „sehr gefährlich“ seien.
KURZ GEFASST
Die amerikanischen Produzentenpreise sind im Dezember überraschend stark um 0,5% z.Vm. und 3% z.Vj. gestiegen. Volkswirte wiesen aber darauf hin, dass die für den PCE-Index relevanten Preiskomponenten weniger zulegten.
Die Europäische Union hat die Islamische Revolutionsgarde zur Terrororganisation erklärt und wird neue Sanktionen gegen den Iran verhängen.
Nach einer Nikkei-Umfrage wird Japans regierende liberaldemokratische Partei bei den vorgezogenen Wahlen nächste Woche die Mehrheit im Unterhaus gewinnen.
Indien und die EU verständigten sich darauf, die Zölle auf europäische Autoexporte um etwa 40% zu senken.
Wegen der steigenden Nachfrage nach Zivilflugzeugen stiegen die Bestellungen langlebiger Güter in den USA im November um 5,3%. Der Kernindex legte nur um 0,7% zu. Beides lag aber über den Erwartungen.
Die Euroraum-Wirtschaft ist im 4. Quartal um 1,3% gewachsen. Die Arbeitslosenquote fiel leicht auf 6,2% und stellte damit den bisherigen Tiefststand ein.
Der Konsumklimaindex des Conference Board fiel im Januar. Mehr Teilnehmer gaben an, dass Stellen knapp seien, als dass es ausreichend Stellen gäbe. Mit 84,5 notiert der Index auf dem niedrigsten Wert seit 2014. Die Daten widersprechen der optimistischeren Arbeitsmarkteinschätzung der Fed.
Von Juli 2024 bis Juli 2025 ist die US-Bevölkerung nach Angaben des US Census Bureau nur um 1,2 Millionen gewachsen. Damit liegt der Anstieg unter den 2,7 Millionen in den 12 Monaten zuvor.
US-Regierungsvertreter nehmen die jüngste Dollarschwäche nicht wirklich ernst. Dagegen sagte Bundeskanzler Merz, dass ihm die Wechselkursentwicklung Sorgen mache.
Die Bank of Canada ließ ihren Leitzins am Mittwoch wie erwartet unverändert bei 2,25%.
Am Donnerstag warnte Präsident Trump den Iran, dass die Zeit für ein Nuklearabkommen allmählich dränge.
Das amerikanische Handelsbilanzdefizit ist von 29,2 Milliarden US-Dollar im Oktober auf 56,8 Milliarden im November gestiegen. Dadurch fiel der GDPNow Index der Atlanta Fed für das 4. Quartal von 5,4% erwartetem Wachstum auf 4,2%.
Der Kreml sagte am Freitag, dass Russland wegen der bitteren Kälte Kiew eine Woche lang nicht angreifen wolle. Präsident Trump hatte diesen Wunsch geäußert.
Das amerikanische Finanzministerium erklärte am Donnerstag, dass der chinesische Renminbi massiv unterbewertet sei. Es drängte China, die Währung schnell und geordnet zu stärken.
Präsident Trump sagte am Donnerstag, dass die USA kanadischen Geschäftsflugzeugen die Zulassung entzögen, solange Kanada seinerseits amerikanischen Gulfstream-Jets die Zulassung verweigere. Außerdem würde er 50% Zoll auf kanadische Flugzeuge verhängen, wenn das Problem nicht „sofort gelöst“ würde.
Bloomberg berichtete, dass im Januar für über 200 Milliarden US-Dollar Investmentgrade-Anleihen begeben wurden, so viele wie noch nie im ersten Monat eines Jahres.
GEWINNMELDUNGEN
Etwa ein Drittel der S&P-500-Unternehmen haben ihre Geschäftszahlen vorgelegt. Kombiniert mit Schätzungen für die Unternehmen, deren Daten noch fehlen, sind die Gewinne je Aktie gegenüber dem Vorjahresquartal um 11,7% gestiegen, schreibt FactSet. Die Umsätze legten um 8,3% z.Vj. zu.
NÄCHSTE WOCHE
Montag: Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe (weltweit)
Dienstag: JOLTS-Umfrage in den USA
Mittwoch: Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Dienstleistungssektor (weltweit), Euroraum-Verbraucherpreisindex
Donnerstag: Ratssitzungen der Bank of England und der EZB
Freitag: Arbeitsmarktberichte in den USA und Kanada
Fokussiert und diversifiziert bleiben
Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.
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Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.