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DIE WOCHE IM RÜCKBLICK
6 min

Neue Hoffnungen auf Iran-Deal

Wirtschaft und Märkte aktuell

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AUTOR

Jamie Coleman
Senior Strategist, Strategy and Insights Group

16. bis 22. Mai 2026

Internationale Aktien notierten am Freitag nur knapp unter ihren Allzeithochs. Ihre Verluste zur Wochenmitte – aufgrund vorübergehend höherer Anleihenrenditen und Ölpreise – hatten sie am Freitag wieder wettgemacht. Die US-Zehnjahresrendite lag am Freitag wie bereits vor einer Woche bei 4,58%. Zwischenzeitlich war sie auf 4,68% gestiegen, aber dann gab es neue Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten. Ähnlich war es beim Rohöl: Das Barrel der Rohöl Sorte West Texas Intermediate verbilligte sich von 104,50 US-Dollar vor einer Woche auf 97,75 US-Dollar, notierte aber zwischenzeitlich bei 109,50 US-Dollar. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) fiel die Volatilität diese Woche von 21,4 auf 19,4.

KONJUNKTUR

Trump sagt Angriffe wegen neuer Iran-Verhandlungen ab

Axios berichtete am Mittwoch, dass Katar, Saudi-Arabien, die Türkei und Ägypten seit einigen Tagen an einer Einigung zwischen den USA und dem Iran arbeiteten. US-Präsident Donald Trump habe Israels Premier Benjamin Netanjahu darüber informiert, dass eine von beiden Seiten zu unterzeichnende Absichtserklärung in Vorbereitung sei, um den Krieg offiziell zu beenden. Sie solle den Weg freimachen für 30-tägige Verhandlungen über Themen wie das iranische Nuklearprogramm und die Wiederöffnung der Straße von Hormus. Am Donnerstag sprach US-Außenminister Marco Rubio dann von ersten Fortschritten. Er sei aber nicht übermäßig optimistisch. Der Iran bestehe weiter auf seinem hoch angereicherten Uran und der Kontrolle über die Straße von Hormus. Vertreter beider Seiten deuteten diese Woche aber auch eine Annäherung an. Am Freitag soll ein hochrangiger pakistanischer Beamter in Teheran weitere Gespräche führen. Pakistan ist seit Kriegsbeginn der wichtigste Vermittler zwischen den USA und dem Iran.

Riesige Börsengänge geplant

Mit der offiziellen Einreichung der Unterlagen am Mittwoch bereitet SpaceX seinen für Mitte Juni geplanten Börsengang vor. Man rechnet mit einem Volumen von 75 bis 80 Milliarden US-Dollar, sodass der Unternehmenswert über 1,7 Billionen US-Dollar betragen könnte. Auch OpenAI bereitet dem Vernehmen nach einen vertraulichen Verkaufsprospekt für einen möglichen Börsengang Anfang September vor. Es heißt, man wolle bei einem Unternehmenswert von etwa 1 Billion US-Dollar etwa 60 Milliarden US-Dollar einwerben. Beide Unternehmen werden voraussichtlich an der NASDAQ notiert und 15 Handelstage nach der Erstnotierung in den NASDAQ 100 Index aufgenommen.

Warsh übernimmt

Am Freitag legte Kevin Warsh im Weißen Haus den Amtseid als 17. Fed-Vorsitzender ab – die erste Vereidigungszeremonie im Weißen Haus seit Alan Greenspans Amtsübernahme 1987. Es wird erwartet, dass Warsh das Quantitative Easing reformiert und eine andere Kommunikationsstrategie betreibt als sein Vorgänger. Vor der Zeremonie sagte Trump, dass er Warsh vertrauen und ihm die Zinsentscheidungen überlassen würde. „Ich werde ihn das tun lassen, was er für richtig hält“, so der Präsident. „Er ist sehr begabt. Er wird es richtig machen. Er wird gute Arbeit leisten.“ Kurz vorher hatte Fed-Vorstand Christopher Waller, eine der führenden Tauben im Offenmarktausschuss, gesagt, dass man den Hinweis auf eine lockerere Geldpolitik seiner Meinung nach aus der Notenbankkommunikation streichen solle. Die Inflation entwickle sich nicht in die richtige Richtung.

KURZ GEFASST

Nach den vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Mai hat die Konjunktur außerhalb der USA nachgelassen, während sie in den USA unverändert blieb. Der US-Index für das Verarbeitende Gewerbe stieg auf den höchsten Wert seit vier Jahren. Nach den neuen Zahlen steigen die Einkaufspreise deutlich schneller als die Verkaufspreise, sodass die Margen unter Druck geraten könnten.

Land/Region

Verarbeitendes Gewerbe

Dienstleistungen

Composite

USA (S&P)

55,3 von 54,5

50,9 von 51,0

51,7 unverändert

Euroraum

51,4 von 52,2

46,4 von 47,6

47,5 von 48,8

Großbritannien

53,7 unverändert

47,9 von 51,7

48,5 von 52,6

Japan

54,5 von 55,1

50,0 von 51,0

51,1 von 52,2

Chinas Konjunktur war im April überraschend schwach. Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion und Immobilieninvestitionen bleiben hinter den Prognosen der Volkswirte zurück.

Unterdessen wuchs Japans Wirtschaft im 1. Quartal mit 2,1% (annualisiert) überraschend stark.

Im März stieg die britische Arbeitslosenquote auf 5%, und der Lohnanstieg ließ nach. Die Inflation war mit 0,7% z.Vm. und 2,8% z.Vj. im April überraschend niedrig. Die Einzelhandelsumsätze gingen um 1,3% z.Vm. zurück, deutlich stärker als erwartet. Diese Zahlen bremsten die Verluste am britischen Anleihenmarkt. Anleger halten Zinserhöhungen der Bank of England jetzt für unwahrscheinlicher.

Auch in Kanada sind die Verbraucherpreise im April weniger stark gestiegen als erwartet. Im Vorjahresvergleich legten sie um 2,8% zu. Volkswirte hatten 3,1% erwartet.

Die EU hat vor der amerikanischen Deadline im Juli die Handelsvereinbarung mit den USA finalisiert. Jetzt muss sie vom Europäischen Parlament und den Mitgliedsländern ratifiziert werden.

Die neue Pipeline, mit der die Vereinigten Arabischen Emirate die Straße von Hormus umgehen können, sei zu etwa 50% fertiggestellt. Das sagte diese Woche Sultan Ahmed Al Jaber, CEO von ADNOC.

Die französische Nationalversammlung stimmte der Ernennung von Emmanuel Moulin zum Chef der Banque de France zu.

Der britische Premier Keir Starmer hat die geplante Benzinsteuererhöhung um 5 Pence je Liter auf das Jahresende verschoben. Das ist Teil eines Pakets, das die Auswirkungen des Irankriegs auf die britischen Verbraucher abfedern soll.

Nach dem Protokoll der April-Offenmarktausschusssitzung hielt die Mehrheit eine gewisse Straffung der Geldpolitik für angemessen, wenn die Inflation weiterhin kontinuierlich über 2% liegt. Viele Mitglieder sprachen sich auch dafür aus, den Hinweis auf eine absehbare Lockerung der Geldpolitik zu streichen.

Laut Bloomberg haben sich fünf Nahoststaaten offiziell dagegen ausgesprochen, dass eine neue iranische Behörde die Durchfahrt durch die Straße von Hormus überwacht. In einem Schreiben an die International Maritime Organization lehnten Bahrain, Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate den Vorschlag ab, dass der Iran Handelsschiffen die Passage der Meerenge genehmigen muss und die Schiffe eine vom Iran vorgegebene Route fahren müssen.

Von der Europäischen Kommission hieß es am Donnerstag, dass sie für den Euroraum in diesem Jahr jetzt nur noch 0,9% Wachstum erwarte. Im November war sie noch von 1,2% ausgegangen. Für 2027 wurde die Wachstumsprognose von 1,4% auf 1,2% gesenkt. Nach 2,1% im letzten Jahr werden für dieses Jahr jetzt 3,0% Inflation erwartet, ebenfalls mehr als die Novemberprognose von 1,9%. 2027 sollen die Preise dann um 2,3% statt wie bislang angenommen um 2,0% steigen.

Die USA bezichtigen Kubas früheren Staatschef Raúl Castro offiziell des Mordes. Sie beziehen sich auf den kubanischen Abschuss eines zivilen Flugzeugs der humanitären Organisation Brothers to the Rescue im Jahr 1996, als Castro kubanischer Verteidigungsminister war.

GEWINNMELDUNGEN

Bislang haben etwa 94% der S&P-500-Unternehmen die Ergebnisse für das 1. Quartal 2026 vorgelegt. Kombiniert mit Schätzungen für die übrigen 6% sind die Gewinne laut FactSet um beeindruckende 28,4% z.Vj. gestiegen. Die Umsätze haben im Vorjahresvergleich um 11,6% zugelegt. Am Mittwoch legt NVIDIA seine Quartalszahlen vor.

NÄCHSTE WOCHE

Montag: US-Märkte wegen Memorial Day geschlossen

Dienstag: Case-Shiller Home Price Index und Konsumklimaindex des Conference Board in den USA

Mittwoch: keine wichtigen Daten

Donnerstag: BIP im 1. Quartal und Bestellungen langlebiger Güter in den USA

Freitag: US-Handelsbilanz, kanadisches BIP

 

Fokussiert und diversifiziert bleiben

Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.

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Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.

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