Was die Einzelwertauswahl als Alphaquelle langfristig leistet
AUTOR
Benoit Anne
Senior Managing Director
Strategy and Insights Group
Im Überblick
Ab jetzt dürfte Alpha bei Anleihen eine wichtigere Rolle spielen. Die Märkte werden sich zwar vermutlich auch 2026 gut entwickeln, aber die Zeit der außergewöhnlichen Performance ist vorbei. In diesem Umfeld erscheint es besonders wichtig, durch Einzelwertauswahl Alpha zu erzielen, zumal dieser Ansatz für Stildiversifikation sorgt und höhere Mehrerträge in Aussicht stellt als andere Alphaquellen.
Alpha dürfte 2026 wichtiger für die Anleihenerträge sein
Aus unserer Sicht sind für 2026 recht solide Anleihenerträge zu erwarten, aber so außergewöhnlich gut wie zuletzt werden sie nicht mehr sein, weil das gesamtwirtschaftliche Umfeld etwas schwächer geworden ist. Konjunktur und Marktdynamik sind nicht mehr so günstig für Anleihen, vor allem wegen des komplexeren Zinsumfelds und der sehr engen Spreads. In vielen Teilen der Welt haben die Zentralbanken ihren Zinssenkungszyklus gestoppt. Sogar in den USA muss einiges geschehen, damit die Fed ihren Leitzins häufiger senkt, als die Märkte derzeit erwarten. Wenn die Leitzinsen nicht deutlich zurückgehen, ist Duration somit kein wichtiger Ertragsfaktor mehr. Außerdem sind die Credit Spreads in vielen Ländern sehr eng. Für einen weiteren Rückgang gibt es unserer Meinung nach nur wenig Spielraum. Eine deutliche Ausweitung in diesem Jahr halten wir aber auch nicht für sehr wahrscheinlich. In unserem Basisszenario bleiben die Spreads stabil, unterstützt von einem soliden gesamtwirtschaftlichen Umfeld und guten Fundamentaldaten. Dies allein dürfte aber nicht für hohe Gesamterträge sorgen. Deshalb sind laufende Erträge am Anleihenmarkt der wichtigste Ertragsfaktor. Im langfristigen Vergleich sind die Gesamtrenditen nach wie vor attraktiv (Abbildung 1). Die Rendite des Bloomberg Global Aggregate Index (Global Agg) liegt derzeit bei etwa 3,45%, sodass der 10-Jahres-z-Score* nach unserer Bewertungsanalyse 1,05 beträgt – im langfristigen Vergleich ist das ein recht hoher Wert.
*Der z-Score ist ein Maß dafür, um wie viele Standard-abweichungen ein Datenpunkt über oder unter dem Median in einer Verteilung liegt.
Abbildung 1: Laufende Erträge dürften die Anleihenmärkte 2026 bestimmen

Quelle: MFS, nur zur Illustration
Angesichts sinkender Markterträge könnte Alpha an Bedeutung gewinnen. In den letzten Monaten haben aktive Assetmanager Mehrertrag gegenüber dem langfristigen Marktdurchschnitt von 91 Basispunkten erzielt (Abbildung 2). Zurzeit ist das Marktumfeld komplex und volatil. Dadurch und weil viel Wert auf Diversifikation und Risikomanagement gelegt wird, entstehen Mehrertragschancen für aktive Assetmanager. Dieses Alpha dürfte einen größeren Anteil an den Gesamterträgen haben. Fundamentale Fehlbewertungen, mehr Differenzierung und ein Markt mit sowohl Gewinnern als auch Verlierern sorgen für ein Umfeld, das aktiven Managern in die Hände spielt. Im Global Aggregate Index sind die Spreadunterschiede so gering wie seit vielen Jahren nicht mehr, sodass die Kompetenz des Assetmanagers wichtiger geworden ist, vor allem bei der Einzelwertauswahl (Abbildung 3).
Die Einzelwertauswahl scheint langfristig eine attraktive Alphaquelle zu sein
Erstens dürften aktive Manager globaler Anleihen, die vor allem auf Einzelwertauswahl setzen, Stildiversifikation bieten können. Auf Grundlage von Daten von eVestment gibt es zwei Arten von Managern globaler Anleihen: Jene, die die Einzelwertauswahl als ihre wichtigste Alphaquelle bezeichnen (Vergleichsgruppe 1), und alle anderen, die dies nicht tun (Vergleichsgruppe 2). Interessanterweise ist der Anteil der Vergleichsgruppe 1 an allen Global-Aggregate-Mandaten sehr klein. In unserer Datenstichprobe setzen nur 17 Manager auf Einzelwertauswahl, während 45 dies nicht tun, sodass die Einzelwertauswahl für eine gewisse Stildiversifikation sorgen könnte. Tatsächlich nennen die meisten der befragten Manager die Asset-Allokation als wichtigste Alphaquelle.
Empirischen Daten zufolge kann die Einzelwertauswahl den Mehrertrag steigern. In den letzten sieben Jahren – dem längsten Zeitfenster, für das Daten zur Verfügung stehen – hat Vergleichsgruppe 1 höhere Mehrerträge erzielt als Vergleichsgruppe 2, nämlich im Schnitt 1,08% jährlich gegenüber 0,60% (Abbildung 4). Wir halten durchschnittlich 48 Basispunkte Mehrertrag im Jahr für signifikant. Außerdem lag Vergleichsgruppe 1 in 86% der Zeit vor Vergleichsgruppe 2, was für stabile Mehrerträge spricht. Und in puncto Volatilität hat Vergleichsgruppe 1 über den gesamten Zeitraum 0,76% erwarteten Ertrag je Risikoeinheit erzielt, Vergleichsgruppe 2 dagegen nur 0,44%. Vieles spricht also dafür, dass ein Einzelwertansatz zu höheren risikoadjustierten Erträgen führen kann.
Konsequenzen für Anleger: In globalen sektorübergreifenden Strategien kann Einzelwertauswahl für diversifiziertes Alpha sorgen
Angesichts der Verzerrungen an den Märkten weltweit dürften in diesem Jahr fundamentale Unterschiede den Markt bestimmen. Insbesondere werden sich aufgrund des KI-bedingten technologischen Wandels vermutlich klare Gewinner und Verlierer herausbilden. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die Einzelwertauswahl künftig einen wichtigen Beitrag zum Mehrertrag und damit auch zu den Gesamt-erträgen von Anleihen leisten wird. Außerdem kann ein Einzelwertansatz globale sektorübergreifende Anleihenstrategien nach Stilen diversifizieren, weil Manager, die ihn als ihre maßgebliche Alphaquelle betrachten, in der Minderheit zu sein scheinen. Wichtiger noch ist, dass die Einzelwertauswahl zu höheren Mehrerträgen beitragen kann als andere Alphaquellen.
Die hier dargestellten Meinungen sind die der MFS Strategy and Insights Group, eines Teils der Vertriebssparte von MFS. Sie können von denen der Portfoliomanager und Analysten von MFS abweichen. Die Einschätzungen können sich jederzeit ändern. Sie dienen ausschließlich Informationszwecken und dürfen nicht als Anlageberatung, Wertpapierempfehlung oder Hinweis auf beabsichtigte Transaktionen von MFS verstanden werden. Prognosen sind keine Garantien.
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