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Strategie aktuell
7 min

KI macht Softwareaktien Probleme

An den Märkten fürchtet man die Folgen der KI, aber nicht alle Softwareanbieter sind gleich. Für aktive Manager kann das eine Chance sein.

AUTOR

Robert M. Almeida
Portfoliomanager und Global Investment Strategist

Im Überblick

  • Technologie, vor allem KI, wirkt deflationär und schadet Anbietern von Problemlösungen.
  • An den Finanzmärkten fürchtet man daher jetzt ein zu großes Softwareangebot und nachlassende Preismacht.
  • Da KI nicht alle Geschäftsmodelle gleichermaßen trifft, kann sie eine Chance für aktive Manager sein.

Technologie wirkt per se deflationär. Sie verbessert Prozesse durch billigere und effizientere Lösungen, was aber leicht zu einem Angebotsüberschuss führen kann. Unternehmen, die von Prozessoptimierung leben, müssen sich dann meist mit niedrigeren Gewinnen begnügen.

So groß die Hoffnungen und Versprechungen Künstlicher Intelligenz sind, so viele Unbekannte gibt es auch. An der Börse sieht man das vor allem bei Softwareaktien. KI bedroht hier viele Geschäftsmodelle, wie die folgende Abbildung zeigt.

software compared to rest of S&P 500 oct 1 2025 to feb 3 2026 graph

Dabei geht es nicht um kurzfristige Wachstumsperspektiven. Die Kurse sind gefallen, weil man wegen KI mit einem Überangebot an Software und nachlassender Preismacht rechnet. Man erwartet letztlich niedrigere Erträge und weniger Wachstum.

Der Teufel steckt im Detail: KI trifft Software auf vier Arten

Software ist keine homogene Branche. Viel hängt vom Geschäftsmodell und dem Anwendungs-bereich ab. Manche Softwareanbieter könnte KI vollständig verdrängen, für andere sind wir zuversichtlicher, und wieder anderen könnte KI sogar nützen. Für Matt Doherty, Softwareanalyst bei MFS und Leiter des Technologieteams, trifft Künstliche Intelligenz Softwareanbieter vor allem auf vier Arten. Im Folgenden zeigen wir, wo Doherty und sein Team echte Risiken sehen und wo die Marktreaktion übertrieben scheint. 

Mit KI kann man leichter selbst Code erzeugen

Theoretisch können Unternehmen mit KI-gestützter Codegenerierung Software selbst entwickeln, sodass sie weniger auf externe Anbieter angewiesen sind. Man spricht auch von „Vibe Coding“.

In der Praxis ist es aber nicht immer so einfach. Zwar kann man mit KI leichter codieren, doch beim Kauf von Unternehmenssoftware sind meist nicht technische Faktoren wie Sicherheit, Compliance, Governance oder Verlässlichkeit am wichtigsten. Das zeigen aktuelle Äußerungen von CIOs der Unternehmen. Das Schreiben von Code selbst spielt bei Software für kritische Unternehmensprozesse nur eine untergeordnete Rolle.

KI senkt Markteintrittsschranken für neue Softwareanbieter

Neue Technologien dämpfen meist die Kosten. Wo der Markteintritt früher prohibitiv teuer war, entstehen heute neue Unternehmen oder ganz neue Branchen. Das gilt zweifellos für Software. Anleger fürchten daher mehr Wettbewerb und weniger Schutz vor Konkurrenz.

Allerdings haben die attraktiven Gewinnmargen und hohen Kapitalrenditen im Softwaresektor schon immer Wagniskapital und neue Wettbewerber angelockt. In den letzten Jahrzehnten gingen in den Bereichen Kundenbetreuung (CRM), Ressourcenplanung (ERP), Buchhaltung und Kundensupport Tausende neue Anbieter an den Markt – und doch haben etablierte Firmen wie HubSpot und Intuit ihren Marktanteil weiter gesteigert. Mehr Wettbewerb bedeutet also nicht zwingend, dass ein großes Vertriebsnetz, hohe Wechselkosten, die Integration in die Prozesse und das Vertrauen in die Marke plötzlich nichts mehr zählen. 

KI und die Preismodelle von morgen

Agentische KI weckt Befürchtungen, dass klassische Software mit Nutzerlizenzen bald nicht mehr benötigt wird. Bei vielen KI-nativen Anwendungen sind aber ebenfalls Nutzerlizenzen üblich, weil Kunden berechenbare Kosten wollen. Wir rechnen daher mit Hybridmodellen. Bei Infrastruktur funktionieren nutzungsabhängige Preise gut, aber bei Unternehmensprozessen wären die Kosten dann weniger berechenbar. Man weiß nicht genau, wie viele Arbeitsstunden KI ersetzt oder wie rentabel die Investitionen sind.

Langfristig dürften sich die Preismodelle in Richtung einer Kombination aus nutzerbasierten und ergebnisorientierten Zahlungen entwickeln. Etablierte Softwarefirmen haben ihre Geschäftsmodelle schon früher grundlegend geändert, was eine große Chance für aktive Investoren ist.

Mehr Wertschöpfung durch große Sprachmodelle und vertikal integrierte Plattformen 

Hier sehen wir die größten strukturellen Risiken. Dieser Bereich ist vermutlich auch am komplizier-testen. Vielleicht hilft daher eine Analogie: Stellen Sie sich einmal Softwareanwendungen als Restaurants und KI als Lieferdienst vor.

Früher kannten Restaurants ihre Gäste, und die Gäste kannten ihre Restaurants. Dann entstanden Liefer-Apps, die die Nachfrage kanalisierten und einen Teil der Restaurant-einnahmen bekamen. Die Restaurants kochen zwar noch immer, aber der Kundenkontakt wurde lockerer, und die Kundenloyalität verlagerte sich. In unserem Bild ist die Software das Restaurant, die Daten sind das Essen, und das KI-Modell ist der Lieferdienst.

Das Risiko ist durchaus real, aber wir halten es nicht für allgegenwärtig. Software, die nicht mehr als eine Datenbank ist, oder monotone Arbeitsabläufe mit geringen Wechselkosten können durch KI verschwinden. Aber das gilt nicht für Programmecodes, die in komplexe Arbeitsabläufe integriert sind, denen man vertrauen muss, die Regeln beachten und Rechenschaft ablegen müssen. Letztlich kommt es auf die Anwendung an, nicht auf die reinen Daten oder gar den reinen Programmcode.

Die neuen Sprachmodelle sind nicht zwingend der Todesstoß für Software. Aber langfristig verschiebt sich die Wertschöpfung. Das ist eine große Chance für fundamental orientierte Anleger.

Fazit

Von Software abgesehen sehen Anleger KI meist als etwas, das die Produktivität der Unter- nehmen noch einmal kräftig steigert. Das mag zwar stimmen, doch führen Produktivitäts-gewinne meist auch zu mehr Wettbewerb, sodass die Gewinne nicht dauerhaft steigen. KI senkt Kosten und Markteintrittsschranken, und es kommen neue Wettbewerber an den Markt, sodass Gewinne anders verteilt werden. Unternehmen, deren Produkte früher gefragt waren, könnten unter Druck geraten. KI kann dazu führen, dass es in ein und derselben Branche sowohl große Gewinner als auch dauerhafte Verlierer gibt.

Das zeigt, wie wichtig aktives Management ist. In Zeiten von Veränderungen, die nicht alle gleich treffen, zählen die grundlegenden Fundamentalfaktoren: Geschäftsmodelle, Anreize, Kundenverhalten und Anpassungsfähigkeit.

 

 

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