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DIE WOCHE IM RÜCKBLICK
6 min

Schwache Beschäftigung und milde Äußerungen der Fed bremsen Renditeanstieg

Wirtschaft und Märkte aktuell

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26. September bis 2. Oktober 2026

Internationale Aktien bewegten sich diese Woche weitgehend seitwärts. Im Mittelpunkt standen die Anleihenmärkte: Die US-Zehnjahresrendite stieg zeitweise um bis zu 20 Basispunkte, notierte am Freitag aber wieder bei 5,20% und damit deutlich unter ihrem Wochenhoch. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verbilligte sich um 3 US-Dollar auf 89,50 US-Dollar, nicht zuletzt, weil Europa einen Teil seiner Diesel- und Rohölreserven freigab. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) betrug die Volatilität Ende der Woche 17,7.

KONJUNKTUR

Schwache US-Arbeitsmarktzahlen stützen Anleihen

Im September wurden in den USA außerhalb der Landwirtschaft nur 29.000 neue Stellen geschaffen, weniger als erwartet. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2%. Der Beschäftigungszuwachs der beiden Vormonate wurde um zusammen 60.000 nach unten korrigiert, die Löhne legten nur leicht zu. Die Partizipationsquote erhöhte sich aber von 61,6% auf 61,8%. Offensichtlich suchen mehr Menschen eine Stelle, was auch die höhere Arbeitslosenquote erklärt.

Wegen der schwachen Daten fielen die US-Staatsanleihenrenditen unter ihren Höchststand von Donnerstag. Man erwartet jetzt keine Zinserhöhung im Oktober mehr und hält auch einen Zinsschritt im Dezember für unwahrscheinlicher, da man jetzt weniger mit einer Überhitzung der US-Wirtschaft rechnet. Die Zahlen sprechen auch dafür, dass der Arbeitsmarkt die Inflation nicht so bald anheizt.

Zinserhöhungen im Oktober nach niedrigerer PCE-Inflation unwahrscheinlicher

In den USA betrug die PCE-Kerninflation im August statt der erwarteten 3,3% nur 3,0% z.Vj. Der niedrigere Wert hatte aber auch methodische Gründe.

Die niedrige Inflation, die Äußerungen von John Williams, Präsident der New York Fed, und der schwache Arbeitsmarktbericht hatten zur Folge, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober jetzt nicht mehr auf 70%, sondern auf unter 15% geschätzt wird. Williams hatte gesagt, dass die Zinsen Ende 2026 vielleicht noch einmal erhöht werden müssten, es nach der Anhebung im September aber „keinen Grund zur Eile“ gäbe. Andere Notenbankvertreter sprechen trotz des schwächeren Arbeitsmarktes aber noch immer von erhöhten Inflationsrisiken. Die Direktoriumsmitglieder Philip Jefferson und Michelle Bowman schlossen sich Williams am Donnerstag allerdings an und sagten, dass sich die Fed mit Zinserhöhungen Zeit lassen könne.

Weltweiter Renditeanstieg

Auch diese Woche gerieten Staatsanleihen weltweit unter Druck. Die amerikanische 30-Jahres-Rendite stieg am Donnerstag auf 5,69%, die Zehnjahresrendite auf 5,33%. Das sind die höchsten Werte seit 2002. Im 3. Quartal sind die US-Staatsanleihenrenditen so stark gestiegen wie zuletzt 1994.

Unterdessen litten französische Staatsanleihen unter Zweifeln an den Staatsfinanzen. Am Freitag war die französische Zehnjahresrendite um 159 Basispunkte höher als die deutsche, der größte Abstand seit der Eurokrise 2011. Offensichtlich machen die Staatsfinanzen Anlegern Sorgen, zumal eine solidere Haushaltspolitik politisch schwierig scheint. Vor nur einer Woche hatte der Spread noch 110 Basispunkte betragen. Angesichts der anhaltenden Inflationssorgen stieg die japanische Zehnjahresrendite diese Woche auf mehr als 3% und damit auf den höchsten Wert seit 30 Jahren.

Stockende Diplomatie, aber wieder mehr Öl aus dem Nahen Osten

Trotz des Irankonflikts erholte sich der Rohölexport aus dem Nahen Osten weiter. Kpler schätzt, dass im September täglich 12,8 Millionen Barrel Rohöl exportiert wurden, so viel wie seit Kriegsbeginn im Februar nicht mehr. Laut Goldman Sachs haben die Exporte sogar wieder den Vorkriegsdurchschnitt erreicht. Saudi-Arabien hat seine Ost-West-Pipeline instand gesetzt und verfügt damit über einen weiteren Exportweg.

Die diplomatischen Bemühungen machten unterdessen kaum Fortschritte. Katarische Unterhändler bemühten sich um einen Kompromiss, unter anderem mit einer Lockerung der amerikanischen Seeblockade und iranischen Zugeständnissen beim Nuklearprogramm. Keine der beiden Seiten schien sich aber bewegen zu wollen. Unterdessen versuchten die USA noch intensiver, den Iran von den internationalen Finanzmärkten und dem Flugverkehr auszuschließen. Dem Vernehmen nach hatte die Trump-Administration zu Wochenbeginn eine Lockerung der Sanktionen im Gegenzug für Zugeständnisse beim iranischen Nuklearprogramm erwogen. Beide Seiten bestritten aber entsprechende Berichte.

Am Donnerstag drohte Trump dem Iran dann erneut. Ohne Abkommen würde das Land „nicht länger existieren“. Nur kurz nach diesen Äußerungen berichtete das Wall Street Journal über die Entsendung eines dritten US-Flugzeugträgers und von bis zu 10.000 zusätzlichen Soldaten in den Nahen Osten. Das soll bis Ende November geschehen, hieß es in dem Bericht. Dann seien wieder neue Bombenangriffe möglich. Außerdem hätten die USA zwei zusätzliche Patriot-Flugabwehrraketenbatterien entsandt, um die saudische und katarische Energieinfrastruktur vor neuen Angriffen zu schützen.

KURZ GEFASST

Insgesamt legten die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe im September zu. In den USA fiel vor allem der Anstieg des Vorproduktpreisindex auf: Er stieg auf 77,9, obwohl nur 73 erwartet worden waren. Am Montag werden dann die Dienstleistungs-PMIs veröffentlicht.

Land/Region

Verarbeitendes Gewerbe

USA (ISM)

54,5 von 54,6

Euroraum

52,9 von 52,7

Großbritannien

51,9 von 51,7

Japan

54,1 von 54,9

China

50,1 von 49,8

Welt (JPM)

53,0 von 52,3

Nach der endgültigen Schätzung ist das US-BIP im 2. Quartal nicht wie zunächst angenommen um 1,5%, sondern um 2,2% gestiegen (jeweils annualisiert), vor allem wegen höherer Konsum- und Investitionsausgaben. Der private Verbrauch stieg nicht wie zunächst angenommen um 3,4%, sondern um 3,8%.

Laut EZB-Chefin Christine Lagarde war die Euroraum-Wirtschaft auch im 3. Quartal stabil. Es gäbe zwar Inflations- und Wachstumsrisiken, aber keine Hinweise darauf, dass der Energiepreisschock deutlich höhere Löhne oder Verbraucherpreise zur Folge habe. Lagarde wollte außerdem nicht ausschließen, die EZB einige Monate vor Ablauf ihrer Amtszeit im Oktober 2027 zu verlassen. Man spekuliert, dass sie Vorsitzende des World Economic Forum wird.

Die australische Notenbank hat ihren Leitzins auf 4,6% angehoben, den höchsten Wert seit 15 Jahren.

Chinas Staatsrat erwägt nach eigenen Aussagen Maßnahmen zur Stabilisierung des Immobilienmarktes, zur Beschäftigungsförderung und zur Stärkung der Haushaltseinkommen. Außerdem wolle man die Geldpolitik bei Bedarf anpassen. Analysten glauben, dass man mit diesen Maßnahmen das Wachstumsziel erreichen und nicht etwa das Wachstum massiv fördern will.

Im September stieg die Euroraum-Inflation auf ein 3-Jahres-Hoch von 3,8% z.Vj.

In den USA ging die Zahl der offenen Stellen im August zurück, von 4,4% auf 4,3%. 1,9% der Mitarbeiter kündigten, ebenso viele wie im Juli. 1,0% der Mitarbeiter wurden entlassen, ein Rückgang gegenüber dem Vormonat.

Am Sonntag findet die erste Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahlen statt. Internet-Wettanbieter rechnen mit einem leichten Vorsprung von Flávio Bolsonaro gegenüber Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva. Wenn keiner der Kandidaten in der ersten Runde 50% erreicht, findet Ende Oktober eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten statt.

Der Konsumklimaindex des Conference Board fiel im September auf 81,9, den niedrigsten Wert seit 2014.

Die EU und Kanada wollen neue Tiefseekabel durch den Atlantik verlegen und die Flüssigerdgasexporte von Kanada nach Europa ausbauen. Das sei Teil einer „Allianz für die Zukunft“, als Gegengewicht zu den USA und China, berichtete Bloomberg am Mittwoch.

Der S&P Cotality Case-Shiller National Home Price Index stieg im Juli um 1,9% z.Vj.

Kanadas Wirtschaft ist im Juli um 1,4% z.Vj. gewachsen.

Großbritannien hat sein Wirtschaftswachstum im 2. Quartal von annualisiert 1,2% auf 1,4% heraufkorrigiert.

Nach den jüngsten Daten investieren Ausländer weiterhin in den USA. Von August 2025 bis Juli 2026 kauften sie US-Aktien und Fondsanteile im Wert von 942 Milliarden US-Dollar, ein neuer Rekord. Das US-Finanzministerium erfasst diese Zahlen seit 1985.

Die USA haben die Energieeffizienzstandards für Autos jetzt gelockert. Bis zum Modelljahr 2031 werden jetzt nur noch durchschnittlich 34,5 Meilen je Gallone gefordert. Bislang waren es 50,4 Meilen.

Das US-Finanzministerium und die Steuerbehörden nehmen ETF-basierte Steuersparstrategien genauer unter die Lupe. Neue Richtlinien schränken bestimmte Section-351-Transaktionen ein. Mit ihnen ließen sich konzentrierte Aktienpositionen diversifizieren, ohne Kapitalerträge sofort zu realisieren.

Das Weiße Haus teilte mit, dass es sich mit großen KI-Unternehmen über ein freiwilliges Abkommen zur Sicherheit modernster Modelle verständigt habe. Die Unternehmen hätten interne Kontrollen zugesagt, um Sicherheitsprobleme zu erkennen und anzugehen.

Anthropic hat sich vor dem Börsengang eine Satzung gegeben, nach der die sieben Mitgründer durch spezielle Aktienklassen die Mehrheit der Stimmrechte behalten. In der Pflicht­mitteilung hieß es auch, dass einige wenige Anbieter Infrastrukturaufträge in Höhe von 518 Milliarden US-Dollar erhalten sollen. Berichten zufolge ist der Börsengang noch vor Thanksgiving geplant.

Chinesische Raffinerien haben dem Vernehmen nach Treibstoffexporte im Oktober ausgesetzt, um das Angebot im Inland zu stärken.

Die USA haben europäische Regierungen zur Freigabe von Diesel aus ihren strategischen Reserven aufgefordert. Die EU bemüht sich um Alternativen zu einem amerikanischen Exportverbot. Am Freitag gingen die Preise daraufhin zurück. In einem Gespräch mit den anderen G7-Staats- und -Regierungschefs am Freitagmorgen Washingtoner Zeit bestätigte Emmanuel Macron die Freigabe. Die sieben Länder werden zusammen 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl auf den Markt werfen, so der französische Präsident.

Nach einer Untersuchung des Inspector General der Fed ist dem früheren Notenbankchef Jerome Powell bei der Sanierung des Hauptsitzes der Fed kein Vorwurf zu machen. Der Bericht kritisierte aber Projektmanagement und mangelnde Kontrolle, da sich die Kosten mehr als verdoppelt hätten. Nach Bekanntwerden des Untersuchungsberichts forderte Trump, Powell müsse zum Rücktritt aus dem Notenbankvorstand gezwungen werden.

Nach Angaben des US-Finanzministeriums werden 60 Millionen Kinder automatisch ein „Trump-Konto“ bekommen, in das Privatpersonen Geld einzahlen können.

Nach Einschätzung des britischen Premiers Andy Burnham steckt der Iran hinter dem Sicherheitsvorfall auf einer britischen Luftwaffenbasis, von der aus die Amerikaner Angriffe gegen den Iran fliegen. Burnham sagte auch, dass bei den künftigen britischen Beziehungen zur EU „alles möglich“ sei, einschließlich eines erneuten EU-Beitritts.

NÄCHSTE WOCHE

Montag: Dienstleistungs- und Composite-PMIs weltweit

Dienstag: Einzelhandelsumsätze im Euroraum

Mittwoch: Protokoll der Offenmarktausschusssitzung der Fed

Donnerstag: Erstanträge auf Arbeitslosengeld in den USA

Freitag: kanadischer Arbeitsmarktbericht

 

Fokussiert und diversifiziert bleiben

Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.

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Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.

AUTOR

Jamie Coleman
Senior Strategist, Strategy and Insights Group

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