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DIE WOCHE IM RÜCKBLICK
6 min

KI-Finanzierungssorgen dämpfen Freude über hohe Unternehmensgewinne

Wirtschaft und Märkte aktuell

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17. bis 23. Oktober 2026

Internationale Aktien gaben diese Woche nach, weil die Zweifel an der Finanzierbarkeit des KI-Ausbaus wuchsen. Die nachlassende Risikobereitschaft dämpfte die Anleihenrenditen; die amerikanische 10-Jahres-Rendite gab um12 Basispunkte auf 4,997% nach. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich um 3,25 US-Dollar auf 101,30 US-Dollar. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) stieg die Volatilität diese Woche von 17,7 auf 19,9.

KONJUNKTUR

Wachsende Zweifel an der KI-Finanzierung

Weil die KI-Infrastruktur sehr viel Kapital erfordert, werden immer mehr Anleihen und andere Finanzierungsinstrumente begeben. Die jüngsten Probleme der Neoclouds zeigen deutlich die damit verbundenen Risiken. Bei strafferen Finanzbedingungen oder zu niedrigen KI-Erträgen könnten die für weitere Investitionen erforderlichen Cashflows hinter den Erwartungen zurückbleiben. Der Fokus der Anleger könnte sich verschieben – vom Umfang der KI-Investitionen zu der Frage, ob die Erträge wirklich die Kapitalkosten decken.

Iranisch-amerikanisches Verhältnis bleibt angespannt

Der Iran drohte für den Fall neuer amerikanischer Angriffe mit einer umfassenden militärischen Reaktion. Außerdem wolle man erneut die Kontrolle über die Straße von Hormus übernehmen und Schiffen aus „freundlich gesinnten“ Ländern die Passage der Meerenge erlauben. Dem Vernehmen nach planen die USA und Israel neue Angriffe nach den amerikanischen Zwischenwahlen. Der Iran wiederum drohte mit größeren Angriffen auf wirtschaftliche und zivile Ziele, wenn die USA die Feindseligkeiten wieder aufnähmen.

Unterdessen bemühte man sich weiter um neue Verhandlungen. Vermittler sprachen von möglichen iranischen Zugeständnissen beim Nuklearprogramm, einschließlich neuer internationaler Inspektionen. Im Gegenzug könnten eingefrorene iranische Aktiva freigegeben werden. Ein US-Diplomat bestätigte eine Fortsetzung der Gespräche. An eine baldige Lösung glaube er aber nicht. In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Financial Times sagte der amerikanische UN-Botschafter Mike Waltz, dass sich die USA auf einen langen Konflikt vorbereiteten. Er könne noch ein weiteres Jahr anhalten.

Dennoch passiert Öl den Persischen Golf. Nach einem Bericht des Wall Street Journal von dieser Woche war das Volumen zuletzt sogar höher als vor dem Krieg. Wegen etwa siebenmal so hoher Frachtraten bleibt der Ölpreis aber hoch. Präsident Trump sagte am Donnerstag, dass der Iran vor den US-Zwischenwahlen am 3. November alles täte, um Öl zu verteuern.

Außerdem wird berichtet, dass die USA wegen der anhaltenden Angriffe der Huthi Botschaftspersonal aus Saudi-Arabien abziehen wollen.

Vorsichtige Annäherung zwischen Russland und der Ukraine

Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Ukrainekrieges machten diese Woche Fortschritte. Europäische Politiker beschrieben die Gespräche zwischen Vertretern der USA und der Ukraine als konstruktiv. Laut Ukraines Staatschef Wolodymyr Selenskyj ging es um Sicherheits- und Wirtschaftsfragen. Die Ukraine müsse an Gesprächen über ihre Zukunft auf jeden Fall beteiligt werden.

Später dann traf sich der US-Sondergesandte Steve Witkoff mit Russlands Präsident Putin. Witkoff nannte die Gespräche ebenfalls konstruktiv. Jetzt seien Verhandlungen über technische Fragen mit Beteiligung der USA, Russlands und der Ukraine geplant. Laut Selenskyj sollen sich Anfang November hierzu Dreiergruppen treffen, doch gäbe es noch immer große Meinungsverschiedenheiten. Außerdem würden die USA nach einer Unterbrechung zu Wochenbeginn der Ukraine jetzt wieder Geheimdienstinformationen zur Verfügung stellen, so der ukrainische Präsident.

Hohe Zinsen schwächen den US-Wohnimmobilienmarkt weiter

Die hohen Zinsen belasten den amerikanischen Wohnimmobilienmarkt weiterhin sehr. Der Marktklimaindex der National Association of Home Builders fiel auf 29, den niedrigsten Wert seit 2012. Die Baubeginne gingen im September um 5,2% zurück, und der Augustwert wurde auf 5,9% revidiert. Die Verkäufe von Bestandsimmobilien fielen um 7,3% auf ein Rekordtief. Die Folgen der hohen Zinsen sind unübersehbar.

Neue Haushaltssorgen durch Unruhen in Frankreich

Die französischen Anleihenrenditen sind gestiegen, die Aktienkurse gefallen – eine Reaktion auf die Unruhen, die neue Zweifel an der Politik und den Staatsfinanzen geweckt haben. Die Zinsdifferenz zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen stieg auf 172 Basispunkte, so viel wie zuletzt während der Euro-Staatsschuldenkrise. Erstmals seit 22 Jahren lag die französische 10-Jahres-Rendite über 5%.

Die Märkte reagierten damit auf die Befürchtung, dass die Regierung die erforderlichen Ausgabenkürzungen nicht durchsetzen kann. Innenminister Laurent Nuñez bot seinen Rücktritt an, aber Präsident Macron ließ ihn im Amt. Gerade bei der inneren Sicherheit sei eine starke Führung nötig. Schon vor den Unruhen hatten schwaches Wachstum, politische Instabilität und Zweifel an Frankreichs Staatsfinanzen Anleger irritiert. Allgemein wird erwartet, dass Moody’s das französische Länderrating am Freitag senkt.

KURZ GEFASST

Die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (PMIs) waren im Oktober uneinheitlich. Der Composite-Index für den Euroraum litt unter den Problemen in Frankreich.

Land/Region

Verarbeitendes Gewerbe

Dienstleistungen

Composite

USA (S&P)

56,0 von 55,9

57,9 von 58,8

57,6 von 58,4

Euroraum

52,4 von 52,9

51,7 von 53,0

51,9 von 53,1

Vereinigtes Königreich

52,8 von 51,9

53,1 von 52,1

53,1 von 52,0

Japan

53,3 von 54,1

52,0 von 51,3

52,3 (k.Ä.)

Chinas Wirtschaft wuchs im 3. Quartal um 4,5% z.Vj. und damit stärker als erwartet, vor allem wegen der hohen Exporte. Der Verbraucherpreisindex legte im September um 3,1% z.Vj. zu. Volkswirte hatten mit 3,2% gerechnet.

Der britische Verbraucherpreisindex stieg im September um 3,5% z.Vj.

Angesichts der hohen Treibstoffkosten kündigte Präsident Trump ein 8 Milliarden US-Dollar schweres Hilfspaket für Landwirte an.

Trotz der hohen Benzinpreise blieb der amerikanische Konsum stabil.

Nach einer Umfrage der Financial Times erwarten 54% der 94 befragten Volkswirte in vielen, wenn nicht in allen G20-Ländern in den nächsten zehn Jahren hohes Wachstum und hohe Produktivitätsgewinne durch KI.

S&P Global befürchtet, dass die großen Hyperscaler höhere KI-bedingte Verbindlichkeiten haben, als die Ratings zurzeit abbilden.

Vertreter der USA und Chinas drängten zu einem raschen Abschluss der Handels- und Investitionsvereinbarung, bevor sich die Präsidenten Trump und Xi voraussichtlich Mitte November am Rande des APEC-Gipfels treffen.

Japan bat die USA, China zur Lockerung der Exportbeschränkungen für Yttrium aufzufordern, ein für Advanced Manufacturing wichtiges, hitzeresistentes Metall. Ohne zusätzliche Lieferungen oder Substitutionsprodukte drohten zum Jahresende Engpässe.

Ägypten erklärte diese Woche, dass man Saudi-Arabien bei der Verteidigung gegen die Huthi-Angriffe helfen wolle.

Ebenfalls diese Woche sagte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass Europa die Bedrohung durch Russland unterschätze.

Das US-Finanzministerium schlug am Donnerstag eine neue Verordnung vor, die großen institutionellen Investoren den Kauf von Einfamilienhäusern untersagen soll. Ab dem 7. Januar 2027 sollen Eigentümer von mehr als 350 Einfamilienhäusern keine weiteren Objekte mehr erwerben dürfen.

GEWINNMELDUNGEN

Bislang haben etwa 29% der S&P-500-Unternehmen die Ergebnisse für das 3. Quartal 2026 vorgelegt. Kombiniert mit Schätzungen für die übrigen 71% sind die Gewinne laut FactSet um 38,2% z.Vj. gestiegen. Die Umsätze hätten um 11,7% zugelegt. Wenn sich die Zahlen bestätigen, wären die Gewinne der S&P-500-Unternehmen das achte Quartal in Folge zweistellig gestiegen und hätten das dritte Quartal in Folge um über 25% zugelegt.

NÄCHSTE WOCHE

Dienstag: Bestellungen langlebiger Güter, Verkäufe neuer Immobilien in den USA

Mittwoch: Offenmarktausschusssitzung der Fed, US-Handelsbilanz, Sitzung der Bank of Canada

Donnerstag: PCE-Index und BIP für das 3. Quartal in den USA, EZB-Ratssitzung

Freitag: Sitzung der Bank of Japan, Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion in Japan, BIP für das 3. Quartal und Arbeitslosenquote im Euroraum, kanadisches BIP

 

Fokussiert und diversifiziert bleiben

Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.

Diese Informationen sowie Nennungen von Unternehmen und Einzelwerten dürfen nicht als Anlageberatung, Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Hinweis auf die Kauf- oder Verkaufsabsichten eines MFS-Produkts aufgefasst werden.

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Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research, S&P Global Market Intelligence, LSEG.

AUTOR

Jamie Coleman
Senior Strategist, Strategy and Insights Group

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