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DIE WOCHE IM RÜCKBLICK
7 min

Aktien legen zu, denn KI ist nicht alles

Wirtschaft und Märkte aktuell

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AUTOR

Jamie Coleman
Senior Strategist, Strategy and Insights Group

27. Juni bis 2. Juli 2026

Umschichtungen von KI-Werten in kleinere Aktien und Substanzwerte sorgten bis Donnerstag für Kursgewinne. Die US-Zehnjahresrendite stieg um 8 Basispunkte auf 4,47%. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verbilligte sich weiter, von 69,50 US-Dollar am letzten Freitag auf 67,40 US-Dollar. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) fiel die Volatilität diese Woche von 19,6 auf 17,9.

KONJUNKTUR

Weniger Neueinstellungen im Juni

Nach mehreren sehr guten Monaten war der US-Arbeitsmarkt im Juni schwach. Außerhalb der Landwirtschaft stieg die Beschäftigung nur um 57.000 – halb so viel wie erwartet. Außerdem wurden die Zahlen für die beiden Vormonate um zusammen 74.000 nach unten korrigiert. Der 3-Monats-Durchschnitt fiel dadurch von 164.000 auf 111.000 Neueinstellungen, was aber noch immer ordentlich ist. Erfreulicherweise ging die Arbeitslosenquote von 4,3% auf 4,2% zurück, allerdings wegen einer fallenden Partizipationsquote. Nach Bekanntwerden der Daten bildete der Markt nur noch Zinserhöhungen um 29 Basispunkte bis zum Jahresende ab. Zuvor war man von 36 Basispunkten ausgegangen.

Warsh skizziert neuen Kurs der Fed

In seiner Rede auf dem jährlichen Symposium der Europäischen Zentralbank im portugiesischen Sintra signalisierte der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh einen Kurswechsel. Auf der Juli-Offenmarktausschusssitzung würde es wohl einen „kleinen Familienstreit“ geben. Zu möglichen Zinsänderungen wollte sich Warsh aber nicht äußern. Die Inflationsrisiken hätten seit seinem Amtsantritt zwar nachgelassen, aber die Fed müsse für Preisstabilität sorgen und die Inflation sei noch zu hoch. Wegen des in den USA besonders ausgeprägten KI-Booms hätte sein Land gerade „enorme Möglichkeiten“. Warsh betonte erneut, dass er Forward Guidance zurzeit nicht für ein geeignetes Instrument halte, und es sei auch „kein Geheimnis“, dass er sich eine kleinere Bilanzsumme wünsche. Bei diesem Thema sei er aber offen, und jegliche Entscheidung würde öffentlich diskutiert. Der Dotplot werde einstweilen beibehalten. Über die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt sei er sich unsicher, und natürlich müsse die Fed sowohl für Preisstabilität als auch für Vollbeschäftigung sorgen. Laut Reuters wurde Warshs Rede von seinen Kollegen aus den anderen Notenbanken positiv aufgenommen. Sie habe Befürchtungen zerstreut, dass die Zusammenarbeit unter seiner Führung Schaden nehmen würde. Unabhängig davon berichtete Bloomberg, dass Warsh Mervyn King, den früheren Chef der Bank of England, zum Co-Vorsitzenden einer Kommission ernennen will, die die Kommunikation der Fed überprüfen soll.

Oberstes Gericht verschiebt Machtgefüge in der Verwaltung, aber schützt die Fed

In einer wegweisenden Entscheidung revidierte der amerikanische Supreme Court Humphrey’s Executor v. United States. Dieses Urteil aus dem Jahr 1935 hat die Unabhängigkeit amerikanischer Bundesbehörden fast ein Jahrhundert lang gesichert. Präsident Donald Trump habe rechtmäßig gehandelt, als er ein Mitglied der Federal Trade Commission ohne Angabe von Gründen entlassen habe. Das Urteil kann enorme Auswirkungen auf die Macht der Verwaltung haben. Mit 5:4 Stimmen hat der Supreme Court aber ebenfalls entschieden, dass der Präsident Notenbankvorständin Lisa Cook nicht fristlos entlassen dürfe und ihr vorher Gehör gewähren müsse. Damit wies das Gericht Trumps Versuch zurück, sie wegen unbewiesener Vorwürfe des Hypothekenbetrugs aus dem Amt zu entfernen. Nach der von Chief Justice John Roberts formulierten Mehrheitsentscheidung gelten für die Entlassung eines Notenbankvorstands hohe Hürden. Damit wurde die Unabhängigkeit der Notenbank faktisch gestärkt, während die Unabhängigkeit der Verwaltung weiter geschwächt wurde.

USA wollen USMCA nicht verlängern

Am Mittwoch teilte der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer mit, dass sein Land das USMCA in seiner derzeitigen Form bis zum Fristablauf am 1. Juli nicht verlängert habe. Man wolle weiter mit Mexiko und Kanada über die Schwächen des derzeitigen Abkommens und die Handelsbilanzdefizite sprechen. Bis zu einer Neufassung oder endgültigen Kündigung bleibt das Abkommen einstweilen in Kraft. In den Gesprächen zwischen den USA und Mexiko am 20. Juli wird es um geistige Eigentumsrechte und Ursprungsregeln gehen, sagte ein Regierungsvertreter. Die Märkte reagierten auf diese Ankündigung kaum.

Vertreter Kanadas wiesen darauf hin, dass das USMCA vorläufig in Kraft bleibe. Kanada sei für eine Verlängerung. Aus Mexiko hieß es, dass die Gespräche im Juli für mehr Klarheit sorgen würden.

KURZ GEFASST

Nach einer starken Erholung wegen der Entspannung am Persischen Golf gaben die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für das Verarbeitende Gewerbe im Juni weltweit etwas nach.

Land/Region

Verarbeitendes Gewerbe

USA (ISM)

53,3 von 54,0

Euroraum

51,4 von 51,6

Großbritannien

52,5 von 53,9

Japan 

54,8 von 54,5

China

50,3 von 50,0

Welt (JPM) 

52,2 von 52,7

Für Aktien war das 2. Quartal hervorragend. Der S&P 500 legte um 15,2% zu und damit so stark wie seit dem 2. Quartal 2020 nicht mehr. Der Philadelphia Semiconductor Index stieg um 88%, der koreanische KOSPI um mehr als 64%, der japanische Nikkei um 34,1% (Gesamtertrag). Die Magnificent 7 verloren dagegen knapp 2%.

Am Freitag bestätigte S&P Global das US-Länderrating von AA+ mit stabilem Ausblick.

Laut FactSet Research stieg die Nettogewinnmarge der S&P-500-Unternehmen im 1. Quartal auf 14,8%, den höchsten Wert seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2009. Damit wurde der Rekordwert von 13,2% aus dem Vorquartal noch einmal übertroffen.

Laut JP Morgan ist der S&P 500 im Juli in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 3,37% gestiegen und lag dabei stets im Plus.

Im Juni fiel die Euroraum-Inflation auf 2,8% z.Vj.; die Kernrate ging auf 2,4% zurück. Zinserhöhungen über die am Markt erwarteten 25 Basispunkte hinaus werden dadurch unwahrscheinlicher. Notenbankchefin Christine Lagarde sagte am Dienstag, dass die EZB die Inflation nicht mit der gleichen Härte bekämpfen müsse wie 2022/2023.

Die japanischen Einzelhandelsumsätze stiegen im Mai um 1,9% z.Vm. – das dritte Plus in Folge, weil der Aprilwert nach oben korrigiert wurde – und um 5,3% z.Vj. Lohnerhöhungen und Zuschüsse zu den Lebenshaltungskosten haben dem Einzelhandel geholfen.

In den USA ist der Case-Shiller US National Home Price Index im April um 0,85% z.Vj. gestiegen.

Wie das amerikanische Bureau of Economic Analysis mitteilte, soll die Methodik des PCE-Index überarbeitet werden. Die geplanten Veränderungen beträfen Vermögensverwaltung, Soft­ware und Anwaltskosten. Man rechnet damit, dass dadurch eine um etwa 20 Basispunkte niedrigere PCE-Inflation ausgewiesen wird.

Nach einem Bericht des Wall Street Journal hat sich das verwaltete Vermögen gehebelter ETFs vom 30. März bis zum 3. Juni fast verdoppelt. Man fürchtet daher mehr Volatilität bei Zwangsverkäufen. Die zuletzt starken Schwankungen koreanischer Aktien hatten dem Vernehmen nach auch mit Leverage zu tun.

Nächste Woche wird SpaceX in den NASDAQ 100 aufgenommen.

Der EU-Handelsbeauftragte Maroš Šefčovič hat diese Woche „intensive, konzentrierte und konstruktive“ Gespräche mit Chinas Wang Wentao geführt. Man habe sich auf einen besseren Marktzugang geeinigt, um eine ausgeglichenere Handelsbilanz zu erreichen. Bis Oktober sollen offene Fragen geklärt werden. Das große Handelsbilanzdefizit der EU mit China wolle man ebenfalls angehen.

Die britischen Verteidigungsausgaben sollen nächstes Jahr auf 2,7% des BIP steigen. Sie lägen damit aber immer noch unter dem neuen NATO-Ziel von 3,5%.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnte diese Woche, dass auf die hohen KI-Investitionen großer Firmen eine längere Phase mit schwachen Investitionen folgen könnte. Das würde den Finanzmärkten und der Weltwirtschaft schaden.

Südkorea stellte ein 880 Milliarden US-Dollar schweres KI-Infrastrukturprogramm vor, finanziert aus öffentlichen und privaten Mitteln und mit Schwerpunkt auf Halbleitern, Robotik und Datenzentren. Ein Großteil der Mittel soll in Speicherchipwerke fließen, wo es nach wie vor Engpässe gibt.

Am Dienstag sagte US-Finanzminister Scott Bessent, dass der Iran sein Öl fast nur an China verkaufe. Andere Länder würden Sanktionen fürchten. Nach einem Bloomberg-Bericht vom Donnerstag warteten mehr als 20 Millionen Barrel iranisches Öl in Tankern in asiatischen Gewässern auf Abnehmer.

NÄCHSTE WOCHE

Montag: Produzentenpreise und Einzelhandelsumsätze im Euroraum, Dienstleistungs-Einkaufsmanagerindex (PMI) in den USA

Dienstag: US-Handelsbilanz

Mittwoch: Protokoll der Offenmarktausschusssitzung der Fed

Donnerstag: Verkäufe von Bestandsimmobilien in den USA

Freitag: kanadischer Arbeitsmarktbericht

 

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Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.

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